China drosselt sein Wachstum im dritten Quartal minimal, der Ausblick für die nächsten Quartale ist aber robust

Chinas Wirtschaft ist im abgelaufenen dritten Quartal um 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen – dies hat das chinesische Statistikamt heute Morgen bekannt gegeben. Zum ersten Mal seit knapp zwei Jahren hat das Wachstum damit also wieder einen Tick nachgegeben. Im zweiten Quartal stand noch eine Rate von 6,9 Prozent zu Buche, im Winterhalbjahr 2016/17 hatte der Schwung sogar überraschend zugenommen. Das nun gemeldete Wirtschaftswachstum liegt aber weiterhin oberhalb des von der Regierung vorgegebenen Wachstumsziels für dieses Jahr von 6,5 Prozent. Die Wirtschaft befindet sich also aus Sicht der politischen Führung in Peking weiterhin „auf Kurs“. Gemessen an den Markterwartungen, die leichte Abstriche bei der Wachstumsrate einkalkuliert hatten, stellt das Ergebnis ebenfalls keine Enttäuschung dar. Lediglich der Hinweis des Zentralbankchefs vor einigen Tagen auf ein Wachstum in Höhe von 7 Prozent in der laufenden zweiten Jahreshälfte erweist sich im Nachhinein als irreführend.

Leichte Bremseffekte gingen während der Sommermonate von der Industrieproduktion und der Investitionstätigkeit aus. Das Wachstum in der Industrie stieg zwar im September auf ein Drei-Monats-Hoch von 6,6 Prozent, im Durchschnitt des dritten Quartals lag es jedoch deutlich unter den Werten aus der ersten Jahreshälfte. Bei der Investitionsnachfrage macht sich weiterhin der nachlassende Schub des großen Fiskalprogramms vom vergangenen Jahr bemerkbar. Aber auch die Investitionen der Privatwirtschaft verloren wieder an Schwung, wozu sicherlich die seit einigen Monaten leicht straffere Geldpolitik einen Beitrag geleistet hat. Die Bautätigkeit zeigte sich ebenfalls etwas schwächer. Die Zahl der Wohnungsverkäufe schrumpfte im zurückliegenden Quartal sogar. Die Bemühungen zahlreicher Lokalregierungen, spekulative Immobilienkäufe zu beschränken, zeigt offenbar allmählich Wirkung. Der Einzelhandel präsentierte sich dagegen stabil, passend zum äußerst guten Konsumklima. Auch die Exportkonjunktur weist dank der guten weltwirtschaftlichen Entwicklung seit Jahresbeginn wieder deutlich mehr Schwung auf. Einen positiven Beitrag dürfte der Außenhandel im zurückliegenden Quartal aber trotzdem nicht zum Wachstum der Gesamtwirtschaft geleistet haben, da China auch wieder deutlich mehr importiert hat. Dies lässt aber zumindest auf eine nach wie vor robuste Binnenkonjunktur schließen.

Die gestrige Parteitagseröffnungsrede von Xi Jinping hat gezeigt, dass der amtierende Staatspräsident in Partei und Staat eine zentrale und unangefochtene Machtposition errungen hat. Der Weg, umfassende Wirtschaftsreformen durchzusetzen, wäre damit geebnet. Gerade in dieser Hinsicht waren die Ausführungen Xi’s jedoch eine Enttäuschung. Er hat zwar eine weitere Öffnung und Liberalisierung der Finanzmärkte angekündigt. Die dringend notwendigen Reformen bei den ineffizienten und hochverschuldeten Staatsunternehmen scheint er jedoch nicht in Angriff nehmen zu wollen. Stattdessen stellte er in Aussicht, die Staatsbetriebe „groß und stark“ zu machen, was nicht nach Abbau von Überkapazitäten und Spielraum für mehr Insolvenzen klingt. Dies aber wäre notwendig, um die strukturellen Probleme des Landes auf Dauer zu lösen. Xi betonte gestern noch einmal das Ziel, die Wirtschaft bis zum Jahr 2020 zu verdoppeln, womit er den starren Wachstumszielen keine Absage erteilt hat. Für die kurz- bis mittelfristigen Wachstumsperspektiven ist dies von Vorteil, da Strukturreformen bei den Staatsunternehmen das Wachstum zweifellos belasten würden. Wir halten deshalb an unserer Einschätzung fest, dass das Wirtschaftswachstum in den kommenden Quartalen höchstens leicht abbremsen wird, insgesamt aber sehr stabil bleibt. Für dieses Jahr gehen wir von einem Wachstum von 6,8 Prozent aus – damit wäre die Jahresrate erstmals seit 2010 wieder höher als im Vorjahr. 2018 dürfte das durchschnittliche BIP-Wachstum mit 6,7 Prozent nur geringfügig darunter liegen.

 

 

 

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