Wenn die EZB die Fed kopiert

 

Als die Fed im Jahr 2014 den monetären Stimulus langsam aber sicher mit einer Beendigung der Anleihekäufe zurückgefahren hatte, befand sich die US-Wirtschaft im dritten Jahr des wirtschaftlichen Aufschwungs. Die damalige Robustheit der konjunkturellen Erholung und die Belebung am Arbeitsmarkt waren für die US-Notenbank zweifelsohne eine wichtige Voraussetzung, den Startschuss für eine weniger expansive Geldpolitik zu geben, ohne einen erneuten Rückfall in die Rezession zu riskieren. Die europäische Notenbank scheint nun – vier Jahre später – an einem ähnlichen Punkt zu stehen. Die Ankündigung einer Reduktion der Anleihekäufe wird wohl auf der kommenden Sitzung des geldpolitischen Rats erfolgen. Der geldpolitische Stimulus dürfte dann Anfang des kommenden Jahres verringert werden. Gleichzeitig wird dies der Anfang einer über mehrere Jahre andauernden Normalisierung der europäischen Geldpolitik werden. Doch gibt die wirtschaftliche Entwicklung auch in der Eurozone eine Rückführung der ultra-lockeren Geldpolitik her?

Hierzu haben wir verschiedene volkswirtschaftliche Indikatoren wie das Wirtschaftswachstum, die Beschäftigungssituation, die Inflation und die Verschuldungssituation in der Eurozone mit denen der Vereinigten Staaten verglichen. Wir fokussieren uns dabei auf den Zeitpunkt, als die Fed begann, den geldpolitischen Stimulus langsam zu reduzieren. Dabei haben wir festgestellt, dass sich momentan etliche Indikatoren der Eurozone auf ähnlichen Niveaus befinden wie in den Vereinigten Staaten im Jahr 2013. Die Voraussetzungen dürften daher gegeben sein, das Volumen der EZB-Anleihekäufe zurückzufahren – zumal alle geldpolitischen Maßnahmen der Fed ohne große Beeinträchtigung der Finanzmärkte umgesetzt worden sind.

So zeigt der Vergleich der Eurozone mit den Vereinigten Staaten, dass aufgrund der robusten konjunkturellen Situation und der gesunkenen Arbeitslosenquote eine weniger expansive Geldpolitik hierzulande ebenfalls angebracht ist. Die zu niedrigen US-Inflationsraten hingegen haben die US-Notenbank damals nicht davon abgehalten, die geldpolitische Kehrtwende in die Wege zu leiten. Es ist davon auszugehen, dass sich auch die EZB trotz eines lediglich sehr moderaten Preisdrucks nicht davon abhalten lässt, die Anleihekäufe zu reduzieren – zumal das Kaufprogramm im Prinzip bald an seine operativen Grenzen stößt. Wird die Fed als Blaupause für die EZB herangezogen, dürften die europäischen Währungshüter im kommenden Jahr die Anleihekäufe beenden und im Jahr 2019 die Zinswende einläuten. Ein Grund für die EZB langsamer vorzugehen als die Fed dürfte sein, dass der Euro-Währungsraum wirtschaftlich gesehen deutlich heterogener ist als die Vereinigten Staaten.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 3.57

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *