EZB bleibt sich treu und geht Risiken ein

Die EZB hat wie erwartet das laufende Kaufprogramm für Anleihen noch einmal deutlich verlängert, wenn auch bei einem geringen monatlichen Kaufvolumen. Damit vermeidet es die EZB ihre selbst gesetzten Grenzen zu verletzten. Die Märkte haben die anhaltende Liquiditätsflut ausreichend gewürdigt. Entsprechend sind die europäischen Aktienmärkte kräftig gestiegen.

Die wichtige Nachricht war aber auch, dass die EZB das Programm auch in Zukunft nicht beenden möchte. Zwar könnte man die monatlichen Käufe mittelfristig gänzlich zurückfahren. Aber die fälligen Anleihen wird man ersetzen und dafür läuft das akutelle Programm weiter. Damit hat die EZB volle Flexibilität, da man innerhalb des laufenden Programms natürlich jederzeit das monatliche Kaufvolumen möglichen politischen Entwicklungen in den Euro-Ländern anpassen kann. Mit einem festen Enddatum des Programms hätte man sich diese Flexibilität genommen.

Als Begründung für diese Entscheidung hat man wieder einmal die weiterhin moderate Inflationsentwicklung herangezogen, das robuste Wachstum wurde nicht gewürdigt. Ziel der EZB ist es weiterhin eine Inflation von knapp unter 2% zu erreichen.

Die EZB geht hier ein hohes Risiko ein. Bei dem stabilen Wachstum kann die derzeitige Geldpolitik sehr schnell zu einer deutlich höheren Inflationsdynamik führen. In diesem Fall müsste die EZB eigentlich relativ schnell einen merklich restriktiveren geldpolitischen Kurs einschlagen. Eine solche Kursänderung dürfte das Wachstum im Euroraum schwächen und die bislang nicht gelösten strukturellen Probleme würden wieder aufbrechen. Eine erneute Diskussion über die Stabilität des Euroraums dürfte die Folge sein.

Die EZB scheint also zu hoffen, dass die aktuelle Geldpolitik das Wachstum weiterhin stützt, die Inflation nicht wirklich steigt und die strukturellen Schwächen im Euroraum weiterhin überdeckt werden. Man kann nur hoffen, dass dies gelingt.

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2 Kommentare

Marco Bäger

Sie haben vollkommen Recht mit Ihrer Einschätzung. Die Ausrichtung der EZB ist zum überwiegenden Teil auf Hoffnungen gebaut. Doch bereits in der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass dies nicht funktioniert. Vor allem das die EURO-Mitgliedsstaaten ihrerseits einen Beitrag zur Stimulierung der Wirtschaft und somit zur Ankurbelung der Inflation leisten war ein Trugschluss. Die EZB verschafft den Staaten sehr viel Zeit, die diese aber nicht nutzen.

Ayse Rüzgar

Vielen Dank

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