Wirtschaft Spanien: Starkes drittes Quartal – robuster Ausblick, trotz zahlreicher Baustellen

Die spanische Wirtschaft bleibt unter Dampf. Das Wirtschaftswachstum des viertgrößten Eurolandes wies auch im dritten Quartal 2017 wieder ein hohes Wachstum aus. Mit +0,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal büßte die konjunkturelle Dynamik zwar etwas gegenüber dem Frühjahr ein. Das Ergebnis dürfte aber nach wie vor zu den kräftigsten Zuwachsraten im gesamten Euro-Raum gehören. Erste Details zu den einzelnen Wachstumsbeiträgen liegen bisher nur in Form einer Hochrechnung der spanischen Notenbank vor. Diese Schätzungen haben sich in der Vergangenheit aber schon als recht treffsicher erwiesen.

Aus den Daten lässt sich ablesen, dass einmal mehr die Binnennachfrage – also die Nachfrage der privaten und öffentlichen Haushalte, sowie die Investitionen – das hohe Wachstum gestützt haben. Auch vom Außenhandel ist ein positiver Beitrag zu erwarten. Dieser dürfte aber ein gutes Stück schwächer ausgefallen sein als noch im zweiten Quartal. Die Auswirkungen des erstarkten Euro-Wechselkurses gegenüber anderen wichtigen Währungen sollte sich aber bisher noch nicht spürbar negativ auf den Nettoexport (Exporte abzüglich der Importe) niedergeschlagen haben. Vielmehr haben in den vergangenen Monaten vor allem auch die Warenimporte in Folge der stärkeren Inlandsnachfrage zugenommen.

Grund zum Jubeln hat die spanische Volkswirtschaft mit Blick auf die wirtschaftliche Erholungsphase aber nur eingeschränkt. Ökonomisch und strukturell gesehen gibt es weiterhin eine Reihe von Baustellen, die in den vergangenen Jahren von der wirtschaftspolitischen Seite einen abnehmenden Reformwillen erfahren haben. Das wohl prominenteste Beispiel ist die nach wie vor angespannte Lage am Arbeitsmarkt mit der zweithöchsten Arbeitslosenquote im gesamten Euro-Raum. Aber auch das recht einseitig ausgerichtete Wirtschaftsmodell mit dem Schwerpunkt auf die Tourismusindustrie oder die hohe Verschuldung der öffentlichen Haushalte bilden ein wackliges Fundament. Zudem kriselt es innenpolitisch erheblich: Die Unabhängigkeitsbestrebungen der wirtschaftsstärksten Region Kataloniens haben das Potential der spanischen Gesamtwirtschaft nachhaltig zu schaden.

Erste Frühindikatoren für den Oktober – wie das Wirtschaftsvertrauen der EU-Kommission – deuten darauf hin, dass sich die Störfaktoren bisher allenfalls begrenzt auf die konjunkturelle Erholungsphase in Spanien auswirken. In den kommenden Quartalen dürfte sich die Taktzahl des spanischen Wirtschaftsmotors auf Basis dieser Daten somit weiterhin nur graduell verringern. Für das Gesamtjahr 2017 prognostizieren wir ein Wirtschaftswachstum von rund drei Prozent. Es läge damit weiter merklich oberhalb des erwarteten Euro-Raum Durchschnitts mit etwa zwei Prozent.

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