Powell wird neuer Fed-Chef

US-Präsident Donald Trump hat den Juristen und ehemaligen Investmentbanker Jerome Powell zum Nachfolger von Janet Yellen für das Amt des US-Notenbankpräsidenten nominiert. Der nun von Trump nominierte Kandidat muss noch vom US-Senat bestätigt werden. Die vierjährige Amtszeit von Yellen als Vorsitzende der Notenbank endet am 3. Februar 2018.

Der Ausschlag für die Nominierung von Powell dürfte gewesen sein, dass ihm eine größere Nähe zu den regierenden Republikanern nachgesagt wird. Trump wird mit seiner Wahl daher wohl deutlich mehr Republikaner zufrieden stellen, als wenn er Yellen erneut nominiert hätte. Ein weiterer Vorteil gegenüber Kandidaten, die bislang vorwiegend in der Wissenschaft tätig waren, dürfte gewesen sein, dass Powell seit Mai 2012 Mitglied des Gouverneursrates ist und damit reichlich Erfahrung mit den Abläufen sowie Entscheidungsprozessen innerhalb der wichtigsten Notenbank besitzt. Nicht zuletzt könnte für ihn gesprochen haben, dass er sich bezüglich einer Lockerung der Regulierungsbedingungen für Banken offener zeigt als beispielsweise Janet Yellen. So hat er sich dahingehend geäußert, dass die zahlreichen Regulierungsvorschriften nicht „von oben“ auf die untersten Management-Ebene heruntergebrochen werden müssen, sondern dass der Vorstand einer Bank flexibler sein sollte, wie die Vorschriften umgesetzt werden. Daneben hat Powell im April 2017 zu Protokoll gegeben, dass einige Regeln, die im Nachgang der Finanzmarktkrise aufgestellt wurden, zu komplex seien, möglicherweise belastend wirken und daher nicht unbedingt gebraucht würden.

Das derzeitige Notenbankmitglied Powell gilt geldpolitisch gesehen als neutral. Seit er für die Zentralbank tätig ist, hat er die vorsichtige Haltung von Frau Yellen bezüglich des Zinserhöhungspfades und der schrittweisen Rückführung der Notenbankbilanz unterstützt. So hatte er sich in der Vergangenheit nie gegen einen Zinsentscheid gestellt. Vor diesem Hintergrund haben die Märkte großes Vertrauen darin, dass Jerome Powell die geldpolitische Ausrichtung von Janet Yellen im Großen und Ganzen weiterführen wird. Auch in verschiedenen Reden hat er sich dahingehend geäußert, die graduellen Leitzinserhöhungen fortzusetzen, solange dies die wirtschaftliche Entwicklung hergibt. Die Märkte versprechen sich von dieser Wahl insgesamt eine geldpolitische Kontinuität. So gibt es derzeit keinen zwingenden Grund, einen Kurswechsel in der Geldpolitik in Angriff zu nehmen. Unsicherheiten könnten dann aufkommen, wenn es zu einem starken Anstieg der Inflation und/oder zu einer kräftigen Zunahme des Wirtschaftswachstums zum Beispiel aufgrund einer umfassenden Steuerreform kommen sollte.

Am liebsten war Präsident Trump wohl ein Kandidat, der eine Lockerung der Regulierungsvorschriften mitträgt und gleichzeitig die Leitzinsen niedrig halten wird. Mit Powell hat er sich nun für den Kandidaten entschieden, der seinen Vorstellungen am ehesten entspricht. Inwieweit Powell tatsächlich die Hoffnungen von Trump erfüllt, ist mittelfristig jedoch unsicher. So herrscht unter vielen Währungshütern und Finanzmarktteilnehmern Konsens, dass die extrem expansive Geldpolitik nur vor dem Hintergrund einer strengeren Finanzmarktregulierung durchführbar ist, da die Regulierung Übertreibungen entgegenwirkt. Sollten die regulatorischen Maßnahmen nun gelockert werden, könnte die anhaltend lockere Geldpolitik die Finanzmarktstabilität gefährden. Die Notenbanken müssten eventuell in einem weniger streng regulierten Umfeld deutlich schneller eine Umkehr zu einer weniger expansiven oder gar restriktiven Geldpolitik vollziehen. Letzten Endes plädieren viele Notenbanker dafür, mit branchenspezifischen Regulierungen Finanzmarktrisiken entgegenzuwirken und nicht mit breit wirkenden Leitzinsänderungen die Volkswirtschaft zu belasten.

Zwar kann Powell mit dem Chef-Posten im FOMC-Rat eine wichtige Einflussnahme ausüben, aber letzten Endes werden die Entscheidungen nach intensiven ökonomischen Diskussionen in einem Gremium getroffen. Zusätzlich hängt die weitere Ausrichtung der Geldpolitik auch davon ab, wen der US-Präsident ihm als Vize-Präsident zur Seite stellt.

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