Retail Banken: Bei wieder steigenden Zinsen wird die Luft dünner

Dem deutschen Bankensektor droht in der Zeit nach der Niedrigzinsphase, wenn die Zinsen wieder spürbar steigen, eine drastische Verengung der Zinsmargen. Dabei gilt: Je länger die Niedrigzinsphase andauert und je kräftiger der anschließende Zinsanstieg ausfällt, desto stärker belastet das den künftigen Zinsüberschuss der Banken. Außerdem dürfte der Konditionenwettbewerb zwischen Direktbanken und traditionellen Filialbanken bei wieder steigenden Zinsen in eine zweite Runde gehen.

Im wettbewerbsintensiven deutschen Retail Banking haben Kreditinstitute keinen großen Konditionengestaltungsspielraum. Da auch keine grundsätzlich neuen Ertragsquellen absehbar sind, bleiben vor allem zwei strategische Optionen, um einer drohenden Verschlechterung der Cost-Income-Ratio entgegen zu wirken: Kostenreduktion und/oder Marktanteilsgewinne. Insgesamt erhöht sich bei wieder steigenden Zinsen der Druck auf die GuV, die Risiken nehmen zu und den Banken dürfte es schwerer fallen, Rücklagen zu bilden.

Die jüngsten geldpolitischen Entscheidungen der EZB unterstreichen zwar, dass die EZB einen unkontrollierten kräftigen Zinsanstieg nicht zulassen will. Das ist im Hinblick auf die Finanzmarktstabilität und die künftige Entwicklung der Zinsmargen der Banken zu begrüßen. Allerdings bleibt die Geldpolitik mit der Verlängerung des Anleihekaufprogramms weiterhin sehr expansiv. Das Ende des Anleihekaufprogramms und eine Anhebung der Leitzinsen rücken damit weiter in die Ferne. Gleichzeitig stauen sich immer größerer Zinsänderungsrisiken bei den Banken auf. Vor diesem Hintergrund wäre eine möglichst frühe, aber trotzdem in ihren Wirkungen kontrollierte geldpolitische Wende dringend geboten.

 

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4 Kommentare

Ein nützlicher Blick hinter die Kulissen.

Ob das alles so eintreten wird, muss man abwarten. Doch die gesamte Kreditwirtschaft ist laut http://zinsrechner-kredite.de/ auf Schwankungen auf dem Zinsenmarkt angewiesen.

@ Stefan Bielmeier
„Dem deutschen Bankensektor droht in der Zeit nach der Niedrigzinsphase, wenn die Zinsen wieder spürbar steigen, eine drastische Verengung der Zinsmargen. Dabei gilt: Je länger die Niedrigzinsphase andauert und je kräftiger der anschließende Zinsanstieg ausfällt, desto stärker belastet das den künftigen Zinsüberschuss der Banken. “

Wie kommen Sie zu dieser Prognose ?
Aus der Grafik ergibt sich m.E. nur, dass historisch gesehen bei einem Zinsanstieg am kurzen Ende, die Zinsmarge ZUNÄCHST noch etwas weiter fällt, um danach wieder etwas zu steigen. Wichtiger für die Entwicklung der Zinsmarge dürfte der hohe Wettbewerb aufgrund der zersplitterten Marktanteile sein. Und da wird sich längerfristig (siehe aktuelle Studie: http://www.oliverwyman.de/our-expertise/insights/2018/feb/Bankenreport-Deutschland-2030.html) einiges tun.Ohne größere Fusionen, wird es generell schwierig bleiben bzgl. Zinsmarge, unabhängig von der Zinsentwicklung.
VG

Ayse Rüzgar

„Tatsächlich gilt vor allem für die Retail Banken: Je länger die Niedrigzinsphase andauert und je kräftiger der anschließende Zinsanstieg ausfällt, desto stärker belastet das den künftigen Zinsüberschuss. Das hängt damit zusammen, dass die Bankkunden kaum bereit sind, sich bei extrem niedrigen Zinsen mit ihrer Geldanlage langfristig zu binden. So fließt ein Großteil der Ersparnis der Bürger in Sichteinlagen und andere täglich fällige Gelder. Dadurch werden die Refinanzierungsmittel der Banken immer kurzfristiger: Der Anteil täglich fälliger Mittel an allen Refinanzierungsmitteln deutscher Banken ist in den letzten Jahren tendenziell immer weiter gestiegen und erreicht inzwischen fast 40 Prozent. Umgekehrt möchten sich Kunden die extrem günstigen Konditionen für Kredite dauerhaft sichern. Dementsprechend ist der traditionell ohnehin hohe Anteil langfristiger Festzinskredite am Gesamtkreditvolumen der Banken nochmals gewachsen – auf inzwischen fast 80 Prozent, und das – dank lang anhaltender Niedrigzinsphase – zu extrem niedrigen Kreditzinsen.
Für die Banken ergibt sich aus dieser Entwicklung nicht nur das Problem, dass der „Fristenspagat“ zwischen Einlagen- und Kreditgeschäft immer schwieriger wird. Der Extrem-Niedrigzins und die Verschiebungen in den Laufzeitenstrukturen des Aktiv- und Passivgeschäftes haben auch zur Folge, dass ein Zinsanstieg im (vorwiegend kurzfristigen) Einlagengeschäft sofort auf breiter Front zu einem wachsenden Zinsaufwand führt, während die extrem mageren Zinserträge aus den (langfristigen) Krediten für Jahre bestehen bleiben. Der ersehnte Zinsanstieg bedeutet für viele Banken zunächst erst einmal eine weitere Verengung der Zinsmargen, bis der Zinsanstieg nach und nach auch beim Zinsertrag spürbar wird.“

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