MDAX wird immer höher bewertet, jedoch ist eine Trendwende nicht in Sicht

Small- und Midcaps sind beliebt. Der MDAX, der 50 mittelgroße deutsche Aktien enthält, hat den DAX seit Jahresbeginn deutlich abgehängt. Bis heute hat der kleinere Index über ein Fünftel an Wert gewonnen. Der Leitindex DAX selbst steht nahe seines Allzeithochs und hat etwas aufholen können, jedoch hat er auch in diesem Jahr mit einem Plus von 17% gegenüber MDAX an Boden verloren.

Im langfristigen Vergleich ist der MDAX der Star unter den Indizes der DAX-Familie. Seit dem Jahr 1988 stieg der Index der mittelgroßen Werte 11,7% pro Jahr an, während der DAX „nur“ 9,1% p.a. erreichte. Die Überrendite von 2,6% p.a. führte wegen des Zinseszinseffekts dazu, dass der MDAX heute in etwa doppelt so hoch steht wie der DAX.

In den Nebenwerteindizes befindet sich eine Mischung an Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen. Diese Titel sind stärker mittelständisch geprägt und auf Nischenmärkte fokussiert, in denen das Wachstum in den vergangenen Jahren höher ausfiel als bei den DAX-Konzernen. Diese Unternehmen leiden erfahrungsgemäß auch weniger unter globalen politischen Negativereignissen (z.B. Brexit, Nordkorea-Konflikt) als die großen DAX-Unternehmen, die in allen Schlüsselmärkten dieser Welt Geschäft betreiben und damit keiner Krise ausweichen können.

Hinzu kommt, dass naturgemäß im DAX die Branchenprimi der deutschen Industrie vertreten sind, Unternehmen, die in der Vergangenheit stark gewachsen sind und deshalb in den Index der größten deutschen Unternehmen aufgenommen wurden. Diese Titel stehen für die Schlüsselindustrien, die die deutsche Wirtschaft in den vergangenen 60 Jahren ausgemacht hat. Dazu gehören Auto-, Chemie- und Industriewerte. Diese wachsen zwar heute auch noch, haben aber die wachstumsstärkste Zeit hinter sich gelassen.

Nach dem guten Lauf lohnt sich der Blick auf die Bewertung der Midcaps. In allen betrachteten Kategorien ist der MDAX deutlich teurer geworden. Festmachen kann man dies am Vergleich zu den historischen Mittelwerten , die u.a. für das KGV eine Überbewertung von 20% anzeigt. Ein ähnlich hoher Bewertungsaufschlag war zuletzt 2014 zu konstatieren.

Droht jetzt der große Knall?
Die Börsenrally bei MDAX und SDAX ist ein Indikator dafür, dass sich die Aktienmärkte in einer sehr späten Phase des Aufschwungs befinden. Eine solche ist unter anderem davon gekennzeichnet, dass Smallcaps nicht mehr klein und Midcaps nicht mehr mittelschwer sind. Im Durchschnitt bringt ein SDAX-Unternehmen heute 930 Mio. Euro Marktkapitalisierung auf die Waage, ein MDAX-Unternehmen gar 4,6 Mrd. Euro. Von „Nebenwerten“ kann keine Rede mehr sein.
Die Tendenz zu permanenten Bewertungsniveaus über dem historischen Durchschnitt ist in Verbindung mit der niedrigen Volatilität am Aktienmarkt ein starkes Warnsignal, dass der Aufschwung in diesem Tempo nicht weiterlaufen kann. Ähnliches war bereits 2014 zu beobachten, als der MDAX über einen längeren Zeitraum hinweg Schwäche zeigte. Die Zeit für eine Korrektur scheint daher gekommen. Auf der anderen Seite läuft die Weltkonjunktur hervorragend, die Unternehmensgewinne ziehen auch bei den MDAX-Gesellschaften deutlich an. Die Notenbanken halten die Zinsen niedrig und fluten die Märkte mit Geld, es gibt kaum attraktive Alternativen zu Aktien. Eine Trendwende dieser Rahmenbedingungen ist nicht in Sicht. Scharfe Kurskorrekturen bei einzelnen Titeln sind aber jederzeit möglich.

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