EU Parlament könnte Belastung vieler Banken erleichtern

Die Banken in der EU verfügen in einzelnen Ländern über enorm hohe Bestände an zahlungsgestörten Krediten (NPLs). So ist der Durchschnitt in der EU zwar in den letzten Jahren gesunken, von 6,5% Ende 2014 auf 4,5% Ende Juni 2017, er liegt damit aber immer noch deutlich über dem Wert in den USA (1,2% per Ende Juni 2017). Zudem liegt er in einigen Ländern teilweise deutlich über 10%. Der Abbau dieser NPLs erfolgte in den letzten Jahren sehr schleppend, da ein solcher die Eigenkapitalquoten der Banken in der Regel doppelt trifft: zum einen belasten Veräußerungsverluste bei den zu verkaufenden Portfolien die Ertragslage und somit die Eigenkapitalquoten. Zum anderen sorgen sie dafür, dass die Verlustschätzungen für den Restbestand an Krediten beziehungsweise vor allem für die in den Bankbilanzen verbleibenden NPLs und damit die berechneten Kreditrisikoaktiva höher ausfallen.

Genau hier setzt möglicherweise das EU-Parlament an. So schlägt der Ausschuss für Wirtschaft und Währung vor, dass Veräußerungsverluste aus einem geplanten mit der Aufsicht abgestimmten mehrjährigen Abbau von NPLs nicht in die internen Modelle zur Schätzung der Kreditrisikoaktiva einfließen sollen.

Bei der Bewertung der vorgeschlagenen Änderung stellt sich letztlich die Frage, welche Zielsetzung verfolgt wird. Liegt der Fokus auf möglichst aussagekräftigen, eher konservativ geschätzten Eigenkapitalquoten, ist der Vorschlag abzulehnen. Geht es hingegen darum, den Banken Luft zu verschaffen, um den dringend notwendigen Abbau von NPLs voranzutreiben, ist der Vorschlag hingegen zu begrüßen. Die meisten Investoren dürften damit leben können, wenn die Eigenkapitalquoten, deren Bewertung und Einordnung ohnehin von außen nur bedingt möglich ist, zugunsten eines schnelleren NPL-Abbaus an Aussagekraft verlieren.

Banken, die ihre NPL-Bestände aufgrund der vorgeschlagenen Änderung zügiger abbauen, dürften profitieren. Allerdings setzt dies auch voraus, dass die Banken die entstehenden Veräußerungsverluste tragen können. Und genau dies stellt das größte Problem dar, die Rentabilität der Banken steht unter Druck und bietet daher nur wenig Spielraum, ohne externe Eigenkapitalzuführung einen schnellen NPL-Abbau vornehmen zu können. Da wird auch eine geänderte Berücksichtigung von Veräußerungsverlusten bei der Berechnung von Kreditrisikoaktiva nur eingeschränkt helfen können.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 4.50

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *