US Notenbank freut sich über stabiles Wachstum, macht sich aber zunehmend Sorgen um den Finanzmarkt

Die amerikanische Notenbank ist weiterhin sehr zufrieden mit dem fundamentalen Umfeld und dem Wirtschaftswachstum. So kann man es aus dem Protokoll der letzten FOMC Sitzung lesen. Der Arbeitsmarkt, der Konsum und auch die Produktion des verarbeitenden Gewerbes zeigten alle soliden Zuwächse. Die Wirtschaftsleistung sei trotz der Hurrikan-bedingten Störungen mit einer soliden Rate gestiegen. Das Bruttoinlandsprodukt wächst schneller als das Produktionspotenzial und die Inflation sei durch temporäre beziehungsweise idiosynkratrische Faktoren gebremst worden. Meinungsverschiedenheiten gab es aber bezüglich der mittelfristigen Inflationsdynamik und daraus folgend auch eine Diskussion über mögliche Änderungen der Maßnahmen zur Sicherstellung der Preisstabilität. Auf der einen Seite laufe laut einiger FOMC-Mitglieder die Fed Gefahr, derzeit zu lange auf einen Anstieg der Inflation zu warten und genau damit eine mögliche Instabilität an den Finanzmärkten zu riskieren. Auf der anderen Seite weisen einige Ratsmitglieder auf die im Jahresverlauf wieder gesunkenen Inflationserwartungen hin. Die Inflationsentwicklung wollen die Ratsmitglieder daher genau beobachten, bevor sie deutliche Anpassungen des geldpolitischen Akkommodationsgrad vornehmen werden.

Bei der Beurteilung der Verhältnisse am Kapitalmarkt war der Rat insgesamt etwas vorsichtiger. Die Notenbankoberen äußerten Bedenken, dass die Finanzmarktpreise aus dem Ruder laufen und dadurch eine Gefahr für die Wirtschaft darstellen könnten. Die Aktienmärkte haben im Laufe des Jahres eine Reihe von Rekordhöhen erreicht. Der Anstieg fußt nach Aussagen der Fed-Oberen unter anderem auf einer Zunahme der Hoffnung auf die Senkung der Unternehmenssteuersätze von 35% auf 20%. Angesichts der hohen Bewertungen der Vermögenswerte und der geringen Volatilität an den Finanzmärkten äußerten mehrere Teilnehmer Bedenken hinsichtlich der Entstehung möglicher finanzieller Ungleichgewichte. Sie befürchteten, dass eine scharfe Korrektur der Vermögenspreise schädliche Auswirkungen auf die Wirtschaft insgesamt haben könnte. In diesem Zusammenhang wurde aber auch von regulatorischen Veränderungen gesprochen, die zu einer spürbaren Stärkung der Kapital- und Liquiditätspositionen im Finanzsektor beigetragen hätten. Dies würde das Finanzsystem weniger anfällig für Schocks oder plötzliche Marktschwankungen machen.

In Summe bleiben damit weitere Leitzinserhöhungen auf der Agenda. Die Fed-Fund-Future implizite Wahrscheinlichkeit für eine Anhebung der Leitzinsen im Dezember liegt nun bei 100%. Für 2018 sind weiterhin nur ein oder zwei Zinsanstiege eingepreist. Das Bilanzabbauprogramm dürfte wie geplant umgesetzt werden. Wir erwarten nach einer Leitzinsanhebung im Dezember im Jahr 2018 noch zwei weitere Leitzinsanpassungen.

 

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 4.67

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *