OPEC-NOPEC-Deal 3.0 – „Die Verpackung ist betörender als der Inhalt“

Im Rahmen ihres gestrigen Treffens in Wien haben sich die 24 Vertreter der OPEC-/NOPEC-Koalition darauf verständigt, ihr Förderbegrenzungsabkommen bis Ende 2018 zu verlängern. Das Kürzungsvolumen wird bei 1,72 Mio. Barrel pro Tag (mbd) liegen. Die bis dato vom Kürzungsabkommen ausgenommenen OPEC-Mitgliedsstaaten Libyen und Nigeria haben weich formulierte Produktionsobergrenzen akzeptiert… Die Parteien vereinbarten darüber hinaus einen Überprüfungstermin im Juni 2018. Ein offizielles Statement zu einer geplanten Exit-Strategie gab es nicht.

Der Markt reagierte insgesamt positiv auf den neuen „Rohöl-Newsflow“. Der Brent-Januar-Future kletterte bis auf 63,50 USD, weil sich die Investoren von der außergewöhnlichen Geschlossenheit des Kartells – gerade auch vor dem Hintergrund der jüngsten außenpolitischen Verspannung zwischen Saudi-Arabien und dem Iran – beeindruckt zeigten. Offenbar hat die Wiener Runde aus Sicht der Investoren mit ihrer rhetorischen Schwerpunktsetzung den richtigen Ton getroffen.

Auf den ersten Blick hat die OPEC-/NOPEC-Koalition dem Markt mindestens das gegeben, was dieser sich von ihr erwartet hatte. Nach unserer Einschätzung gilt für das vorweihnachtliche Rohöl-Präsent aus Österreich aber das, was für viele der in Bälde auf den Gabentischen stehenden Weihnachtsgeschenke gilt: „Die Verpackung ist betörender als der Inhalt!“

Während der Markt derzeit zu glauben scheint, einen verlässlichen OPEC-/NOPEC-Fahrplan für das gesamte Jahr 2018 an die Hand bekommen zu haben, wird die Bedeutung der in Wien ebenfalls beschlossenen „Juni-Überprüfung“ nach unserem Dafürhalten unterschätzt. Billigt man diesem Review-Termin nicht nur den Status einer reinen „Durchwink-Veranstaltung“ zu, dann reicht die Kartierung des „OPEC-/NOPEC-Kürzungsweges“ gerade einmal bis zum nächsten Wiener Gipfeltreffen am 22. Juni.

Die Kürzungspartner waren sich vor dem Hintergrund der Erwartungshaltung der Marktteilnehmer vollkommen im Klaren darüber, dass (a) das von ihnen vorgelegte „Lösungspaket“, (b) der dem Markt vermittelte Grad an Partner-Einigkeit und (c) das von ihnen gewählte „Wording“ den kurz- bis mittelfristigen Preispfad der diversen Rohölpreisnotierungen entscheidend beeinflussen werden. Dass dies angesichts des positiven Zusammenhangs von WTI-Preis und US-Schieferöldynamik extrem „produktionsmotivierende“ Folgen in den US-Schieferölregionen haben wird, nimmt sie dabei billigend in Kauf. Offenbar hat die Angst vor der Größenordnung einer solchen US-Produktionsantwort zuletzt etwas abgenommen. Nach unserer Einschätzung könnte man sich hier allerdings sehr leicht verrechnen. Die USA sind sicherlich bei WTI-Preisen von 45-50 USD nicht unendlich produktionsflexibel. Dass die US-Schieferölunternehmen aber bei WTI-Preisen von 55-60 USD deutlich mehr Rohöl produzieren werden als bei WTI-Preisen von 50 USD, dazu braucht es keine höhere Mathematik!

Der „Überprüfungs-Termin“ des OPEC-/NOPEC-Clubs im Juni dürfte spannend werden. Erstens, weil die höhere US-Förderung bis dahin sichtbar geworden sein dürfte und zweitens weil Russland als Teil zentraler Player des Kartells („NOPEC“) nach überstandener Präsidentschaftswahl (Mitte März 2018) ein Stück Extra-Motivation verloren gegangen sein wird.

 

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