„Der 2,8%-Crash“ – Volatilität am Aktienmarkt mit Rekordtief im laufenden Jahr

Die Volatilität am Aktienmarkt scheint ein Relikt der Vergangenheit geworden zu sein. Das wichtigste Volatilitätsbarometer der Welt, der VIX Index in den USA, hat in diesem Jahr 49 Mal unter zehn Punkten geschlossen. Solche niedrigen Werte sind sehr selten, sie traten vor 2017 (zwischen 1990 und Ende 2016) nur zehnmal auf. Nach unseren Berechnungen datieren 17 der niedrigsten 20 VIX Stände seit 1990 aus der Zeit nach Juni 2017. Die übrigen drei tiefsten Stände stammen aus dem Jahr 1993.

Die Grabesruhe an den Aktienmärkten zeigt sich auch am Kursverlauf von S&P 500 und DAX in diesem Jahr: Es gab in diesem Jahr keine nennenswerten Korrekturen. Der S&P notierte auf Schlusskursbasis nur viermal (!) ein Prozent oder mehr im Minus, der DAX sechzehnmal. Würde das Kalenderjahr heute enden, betrüge das aktuelle „Drawdown“ – die maximal erlittenen Verluste auf Schlusskursbasis seit Jahresbeginn – beim S&P 500 2,8 Prozent und beim DAX 7,3 Prozent. Dies sind die niedrigsten Werte seit 1914 (S&P 500) und 2005 (DAX). Korrekturen am Aktienmarkt finden eigentlich sehr häufig statt. Im Durchschnitt korrigierte der DAX seit 1975 unterjährig vom lokalen Hoch zum nächsten Tief um 18%.

Für wertorientierte Investoren, die auf Kursrückgänge und niedrigere Kaufkurse hoffen, war 2017 in Anbetracht der rekordniedrigen Volatilität eine Enttäuschung. Momentumorientierte Investoren hatten hingegen ihre Freude.
Investoren, die nun damit rechnen, dass die Volatilität am Aktienmarkt bald wieder in Richtung des Durchschnitts steigt (19 Punkte in den USA / 20 in Deutschland), könnten zunächst enttäuscht werden. Die Volatilität weist empirisch eine geringe Tendenz zu einer langsamen Rückkehr zum Mittelwert („mean reversion“) auf. Es ist wahrscheinlicher, dass die Volatilität am Aktienmarkt so lange niedrig bleibt, bis einige Ereignisse einen deutlichen Ausschlag nach oben auslösen werden.
Tatsächlich muss die niedrige Volatilität vor dem Hintergrund vieler seit der Finanzkrise vor knapp zehn Jahren immer noch risiko- und volatilitätsscheuer Anleger nicht unbedingt schlecht sein, weil sie nervenberuhigend wirkt.

Wir erwarten weiterhin, dass die Fundamentaldaten Aktien unterstützen und dass diese in den nächsten Jahren Anleihen und Bargeld schlagen werden. Es wird wahrscheinlich sporadische Angstausbrüche geben, wie wir sie in den ersten Monaten des Jahres 2016 gesehen haben, wahrscheinlich aufgrund geopolitischer Ereignisse, da die Dinge in der Weltwirtschaft gut laufen. Wir empfehlen, solche Anlässe zu nutzen, um in Unternehmen zu investieren, die bei einem solchen Aktienkursrückgang übermäßig abgestraft wurden.

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