Fed sieht kaum nennenswerte Wachstumsimpulse durch Fiskalpolitik

Nach dem zweitägigen Treffen des FOMC-Rates hat die US-Notenbank gestern wie vom Markt erwartet die Leitzinsen zum dritten Mal in diesem Jahr um 25 Basispunkte angehoben. Das Zielband für die Fed-Funds Rate liegt nun bei 1,25% bis 1,50%. Die Entscheidung fiel nicht einstimmig aus. Sowohl der Präsident der regionalen Federal Reserve Bank of Minneapolis, Neel Kashkari, als auch der Präsident der regionalen Federal Reserve Bank of Chicago, Charles Evans, haben sich gegen die Entscheidung ausgesprochen. Beide präferierten, die Leitzinsen unverändert zu lassen. Insgesamt war die Zinserhöhung aber von der Mehrheit der Marktteilnehmer so erwartet worden. Vor diesem Hintergrund war auch weniger die Erhöhung der Leitzinsen interessant, sondern vielmehr, wie die einzelnen Währungshüter den zukünftigen Zinspfad in ihren Projektionen einschätzen. Daneben dürfte die Pressekonferenz die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer auf sich gezogen haben, da dies wohl die letzte Zinsankündigung von Janet Yellen gewesen sein dürfte, nachdem US-Präsident Trump Jerome Powell zum Fed-Vorsitzenden ernannt hat.

Was die Projektionen betrifft, so haben die Währungshüter ihre Zinserhöhungserwartungen für die kommenden Jahre nahezu unverändert gelassen. Im Vorfeld war am Finanzmarkt darüber spekuliert worden, ob die Fed-Mitglieder vor dem Hintergrund der robusten wirtschaftlichen Dynamik nicht ihre Zinserwartungen nach oben anpassen werden. Unabhängig von der Möglichkeit baldiger Steuersenkungen gehen die FOMC-Mitglieder weiterhin von drei Zinsanhebungen aus. Die Märkte scheinen aber trotz der Beteuerungen der Fed weiterhin skeptisch bezüglich des zukünftigen Zinserhöhungstempos. Die Marktteilnehmer rechnen gerade einmal damit, dass die Fed im kommenden Jahr die Leitzinsen zwei Mal anheben wird. So liegt die Wahrscheinlichkeit, ablesbar aus den impliziten Fed-Funds-Futures, für ein Leitzinsniveau von 2,0% oder darüber gegen Ende des kommenden Jahres bei 61%. Veränderungen bei den Projektionen betreffen insbesondere die Aussichten für die wirtschaftliche Entwicklung, die nun leicht optimistischer eingeschätzt werden.

Ein großes Thema bei der Fragerunde waren die möglichen Steuersenkungen, die US-Präsident Trump in Aussicht gestellt hat. Die Fed-Chefin gab zu, dass im FOMC-Rat über Steuererleichterungen und deren Einfluss auf die Volkswirtschaft diskutiert wurde. Insgesamt dürften diese jedoch kaum größere Auswirkungen auf die Geldpolitik in den kommenden Monaten haben, auch wenn die wirtschaftliche Dynamik mit einem fiskalpolitischen Stimulus ein Stück weit höher ausfallen könne. Insgesamt hat sich Yellen verhalten optimistisch bezüglich der geplanten Steuerreform der Regierung unter US-Präsident Trump geäußert. Während der Markt teilweise mit deutlichen Wachstumsimpulsen für die US-Wirtschaft rechnet, sei laut Yellen ein US-Wirtschaftswachstum von drei Prozent in den nächsten Jahren nur schwer zu erreichen. Sie hat jedoch darauf hingewiesen, dass eine hohe Unsicherheit bezüglich der Effekte der Steuererleichterungen bestehen und dass die Fed bei ihren kommenden Treffen des FOMC-Rates die möglichen Auswirkungen in Betracht ziehen werde. Gleichzeitig wurden die Projektionen über Zinserhöhungen und die Aussichten für das Wirtschaftswachstum von den Währungshütern nur moderat nach oben revidiert. Dies spreche gegen die allgemeine Erwartung, dass die Fiskalpolitik zu bedeutenden Veränderungen in der wirtschaftliche Entwicklung führen werde.

Außerdem kamen Fragen bezüglich des Aktienmarktes und bezüglich Bitcoins. Yellen hob in diesem Zusammenhang hervor, dass die Bewertungen am Aktienmärkten erhöht seien, aber dies bedeute nicht, dass die Märkte überhitzt seien. So dürften die Märkte ebenfalls die guten wirtschaftlichen Bedingungen bei einer niedrigen Inflationsrate widerspiegeln. Bitcoins seien zwar eine hochspekulative Anlageform, spielen hingegen lediglich eine sehr untergeordnete Rolle im Zahlungsverkehr. Sie sehe akut kein gesteigertes Risiko für die Finanzmarktstabilität.

Fazit: Keine Überraschung – März-Sitzung mit Spannung erwartet
Insgesamt war die Zinserhöhung gut von den US-Währungshütern vorbereitet gewesen und hat am Markt kaum deutliche Reaktionen hervorgerufen. Die Renditestrukturkurve ist steiler geworden und die zehnjährigen US-Renditen sind leicht gesunken. Die Märkte dürften nun mit Spannung die Sitzung des Offenmarktausschusses der Federal Reserve im März erwarten, wenn der neue Fed-Präsident Powell seine erste Pressekonferenz geben wird. Obwohl er schon lange Mitglied des FOMC-Rates ist und damit die Geldpolitik ohne große Änderungen weiterführen dürfte, könnte er doch einen eigenen Akzent setzen wollen.

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