Entwarnung bei Chinas Reserven

Sorgen um eine harte Landung bei Chinas Wirtschaft, Angst vor einem kapitalfluchtbedingt kollabierenden Wechselkurs und im Zuge dessen Befürchtungen eines Ausverkaufs bei den Währungsreserven – das waren die Zutaten, die noch vor Jahresfrist so manchen China-Ausblick geprägt hatten. Wir hatten uns glücklicherweise schon immer etwas bedeckter gegeben und insbesondere die Reserveentwicklung entspannter betrachtet. Die Kombination aus Konjunkturstabilisierung, globaler USD-Schwäche, Kapitalverkehrskontrollen und anderen Drohgebärden der chinesischen Offiziellen in Richtung Finanzmärkte hat den Abbau der Reserven nicht nur zum Stillstand gebracht, sondern inzwischen sogar zu einer überzeugenden Trendwende geführt.

Seit ihrem historischen Hoch im Juli 2014 (bei knapp 4.000 Mrd. USD) waren Chinas Währungsreserven bis Anfang 2017 um fast 1.000 Mrd. USD gefallen. Im letzten Januar wurde sogar temporär die psychologische Schwelle von 3.000 Mrd. USD unterschritten, was hitzige Diskussionen darüber ausgelöst hatte, wie lange Chinas Reserven noch ausreichen würden. Das abgelaufene Jahr 2017 war in dieser Hinsicht ein weitaus erfolgreicheres für Chinas Währungshüter: Die jüngsten Daten für Dezember besiegeln ein überzeugendes Reserveplus um knapp 130 Mrd. USD für die letzten zwölf Monate auf aktuell rund 3.140 Mrd. USD. Damit sind die Reserven elf Monate in Folge gestiegen und haben das Niveau vom September 2016 zurückerobert.

Eine Schlüsselrolle beim Reservemanagement kommt der globalen USD-Entwicklung zu – einem Faktor, den Chinas Offizielle nicht ohne Weiteres beeinflussen können (zumindest nicht, ohne einen weltweiten Währungskrieg vom Zaun zu brechen.) Besagte USD-Schwäche dürfte mit Blick auf 2018 zwar noch nicht ganz abgeschlossen sein, aber bei Weitem nicht an die Dynamik von 2017 heranreichen. Für Chinas Reservehaltung bedeutet dies Entwarnung von zwei Seiten: Zum einen erfahren die Reserven derzeit einen wechselkursbedingten, positiven Bewertungseffekt: Die nicht in USD denominierten Reserven (insbesondere EUR, aber auch AUD, GBP, JPY,…) haben spürbar an Wert gewonnen, was Chinas Reserven auch ganz ohne Änderung bei der Interventionspolitik wesentlich beeinflusst hätte. Zum anderen entfällt aufgrund der USD-Entwicklung aber auch die Notwendigkeit für aktive Markteingriffe in USD-CNY, mit denen der befürchteten Kapitalflucht ein Riegel vorgeschoben werden sollte (bzw. ganz allgemein gegen die unerwünschte Yuan-Schwäche vorgegangen wurde). Dass USD-CNY sich von seinem Verlaufshoch knapp unterhalb von 7,00 CNY (Januar 2017) spürbar zurückgezogen hat und inzwischen bereits für weniger als 6,50 CNY (Januar 2018) zu haben ist, ist Spiegelbild dieses Stimmungsumschwungs. Es ist Chinas Offiziellen erfolgreich gelungen, die Markterwartungen wieder so einzufangen, dass kein Interventionsbedarf zur Yuan-Stützung mehr besteht und dadurch auch keine Reserven mehr „verbraucht“ werden.

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