Kryptowährungen: Blühende Zukunft oder doch nur eine Tulpenzwiebel?

Bitcoin, Ether, Ripple – dies sind nur drei von weit über 1.000 existierenden Kryptowährungen. Spätestens seit den Kurssteigerungen in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres und der Einführung von Bitcoin-Futures vergeht kein Tag ohne Meldungen über das „neue Geld“. Während der Status-quo für viele Anhänger von Kryptowährungen nur der Anfang von etwas noch viel Größerem ist, gibt es wohl mindestens ebenso viele Stimmen, die Bitcoin & Co. mit der Dotcom-Blase zur Jahrtausendwende oder niederländischen Tulpenzwiebeln aus dem 17. Jahrhundert vergleichen.

Dabei ist Kryptowährung nicht gleich Kryptowährung. Zwar basieren alle weitgehend auf der Blockchain-Technologie. Dennoch gibt es wesentliche Unterschiede. Dies gilt beispielsweise für die Art der Geldschöpfung oder die Existenz einer Obergrenze für die Geldmenge einer Kryptowährung. Darüber hinaus variiert die Zielsetzung von einer Ergänzung des bestehenden Zahlungssystems bis hin zu einem angestrebten Ersatz der traditionellen Finanzwelt mit Zentralbanken und Finanzinstituten.

Unter Vernachlässigung aller Nebenschauplätze und ideologischer Differenzen lässt sich festhalten, dass mithilfe der zugrundeliegenden Technologie rasche und kostengünstige Zahlungen vergleichsweise einfach und sicher, auch über die Grenzen von Währungsräumen hinweg, möglich sind. Zumindest verglichen mit den etablierten Zahlungssystemen ist dies ein Vorteil. Folglich sollten Bitcoin & Co. insbesondere für Menschen interessant sein, deren Länder nicht über eine gut ausgebaute Zahlungsinfrastruktur verfügen (beispielsweise in einigen afrikanischen Nationen) oder deren Währungen alles andere als vertrauenswürdig sind (Venezuela).

Diese Einschätzung kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Kryptowährungen wesentliche Merkmale von Geld vermissen lassen und nicht so sicher sind, wie es vonseiten zahlreicher Anhänger propagiert wird. Insbesondere fehlt eine zentrale Instanz, die im Falle eines größeren Vertrauensverlusts stabilisierend eingreifen kann. Dass private Kryptowährungen auf absehbare Zeit das etablierte Geld- und Finanzsystem komplett ersetzen werden, ist zudem sehr unwahrscheinlich. Schließlich dürfte kaum ein bedeutender Staat bereit sein, auf das Monopol eines eigenen gesetzlichen Zahlungsmittels zu verzichten. In der Konsequenz wird auch in Zukunft kein Händler und keine Privatperson verpflichtet sein, Bitcoin oder andere Kryptowährungen anzunehmen. Auch eine auf absehbare Zeit strengere Regulierung oder gar Verbote können ebenso wenig ausgeschlossen werden wie Hackerangriffe auf Handelsplattformen.

Eine fundierte Prognose für eine einzelne Kryptowährung – seien es nun Kurssteigerung oder -verluste – lässt sich hieraus nicht ableiten. Um es klarzustellen: Jeder, der vorgibt zu wissen, dass die Kurse von Bitcoin oder einer Alternative früher oder später ganz sicher steigen werden, kann kaum mehr äußern als ein Bauchgefühl. Weder gibt es historische Erfahrungswerte noch verlässliche, fundamentale Anhaltspunkte für einen „fairen Wert oder Wechselkurs“. Und selbst wenn es auch in Zukunft einen Platz für Kryptowährungen in der Finanzwelt gibt, was keineswegs auszuschließen ist, kann niemand vorhersehen, welche der Kryptowährungen sich langfristig etablieren können. So sprechen beispielsweise viele Beobachter Bitcoin mit Verweis auf den für das Mining notwendigen, hohen Energieeinsatz eine Zukunft ab. Dass die zugrundeliegende Systematik durchaus geändert werden kann, wird hierbei gerne vernachlässigt.

Und dennoch lassen sich zwei potenzielle Investorengruppen identifizieren, die nach intensiver Lektüre der Gegebenheiten nicht vor einem Engagement in Kryptowährungen zurückschrecken müssen. Dies sind zum einen Menschen, die aufgrund ihrer ideologischen Ausrichtung nach Alternativen zum etablierten Finanzsystem suchen und ohnehin kein Vertrauen in Zentralbanken oder Finanzinstitute haben. Außerdem könnten Finanzmarktakteure, die in Kryptowährungen die Zukunft der Finanzwelt sehen und mit weiteren Kurssteigerungen rechnen, in Erwägung ziehen, Kryptowährungen als Beimischung in ihr Portfolio aufzunehmen. Auch diese Investoren seien an dieser Stelle davor gewarnt, dass es nicht weniger als der Totalverlust ihres Engagements ist, den sie riskieren. Anlegern, denen diese Gefahr zu groß ist, sollten zum jetzigen Zeitpunkt von Kryptowährungen Abstand nehmen.

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