Euro-Dollar so stark wie zuletzt 2014 – Deutsche Unternehmen sollten Aufwertung verkraften können

Aktuell werden knapp 1,23 US-Dollar für einen Euro gezahlt. So hoch stand der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung zuletzt im Dezember 2014. Zur Erinnerung: Heute vor einem Jahr ging es in den Diskussionen noch darum, ob beim Wechselkurs Euro/Dollar die Parität erreicht wird oder nicht. Seither hat der Euro fast 17% aufgewertet.
Der sprunghafte Anstieg der europäischen Gemeinschaftswährung wird die deutschen Unternehmen in den kommenden Monaten zunehmend vor Herausforderungen stellen.

Die deutschen Unternehmen sind für ein starkes Auslandsgeschäft bekannt. Basierend auf unseren Analysen belief sich per Ende 2016 der in US-Dollar fakturierte Umsatzanteil der deutschen HDAX-Unternehmen auf 28% (der HDAX umfasst die Unternehmen der Indizes DAX, MDAX und TecDAX). Dadurch unterliegen die deutschen Konzerne erhöhten Risiken durch Wechselkursveränderungen.

Jedoch fallen auch 23% der Kosten in US-Dollar an, so dass sich die Betrachtungsweise relativiert. Auch ist es wenig empfehlenswert auf den aktuellen (=zufälligen) „Extremkurs“ bei Euro-Dollar 1,23 abzustellen. Wird die Entwicklung über einen längeren Zeitraum betrachtet, relativiert sich die jüngste Wechselkursbewegung etwas.

Allgemein gilt, dass ein stärkerer Euro, wie wir ihn aktuell erleben, die exportstarken deutschen Unternehmen tendenziell belastet und die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigt. Die Auswirkungen auf die einzelnen Unternehmen sind jedoch deutlich schwieriger zu erfassen und fallen zudem unterschiedlich aus. Folgende Aspekte sind dabei zu berücksichtigen: Translations- oder Transaktionseffekte, natürliches Hedging in Form von Produktionskapazitäten vor Ort, Verschuldung in US-Dollar, Sicherungsgeschäfte usw.

Wir gehen davon aus, dass die deutschen Unternehmen noch gut mit dem starken Euro leben können. Selbst in den Jahren 2006/07, als der Euro zügig in Richtung 1,60 marschierte, kamen die heimischen Gesellschaften noch verhältnismäßig gut mit der starken Gemeinschaftswährung zurecht. Nichtsdestotrotz wird in der kommenden Berichtssaison sicherlich das ein oder andere Unternehmen ein Klagelied anstimmen und vereinzelt werden auch die Aktienkurse unter diesen „Warnungen“ leiden.

Aus unserer Sicht haben sich die Perspektiven für den deutschen Exportsektor seit Jahresanfang 2017 deutlich verbessert . Zwar bremst der höhere Euro-Kurs zweifellos auf einigen Auslandsmärkten, die globale Konjunkturerholung und besonders die wirtschaftliche Verbesserung in Europa überwiegen jedoch mit ihren positiven Effekten.

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