Euro im Höhenrausch – zu viel, zu früh!

Halb zog sie ihn, halb sank er hin“, so hieß es schon bei Goethe. Das lässt sich vortrefflich auch zur aktuellen EUR-USD-Bewegung sagen, die eine Mischung aus EZB-inspirierter Euro-Stärke und einer sich aus mehreren Quellen nährenden USD-Schwäche ist. Auffälligstes Symptom der gegenwärtigen Stimmungslage ist der Kursanstieg im EUR-USD-Kassakurs, der uns jüngst ein Drei-Jahreshoch beschert hat. Doch auch andere Kennziffern sprechen Bände: Die spekulative Marktpositionierung zeigt einen Anstieg des EUR-Long-Überhangs auf ein neues Rekordhoch. Auch die Risk Reversals am Optionsmarkt signalisieren, dass der Markt mehrheitlich auf eine weitere (leichte) Euro-Aufwertung setzt.

Ganz ohne Frage: wir gönnen dem Euro seinen Erfolg und trauen ihm bis Ende 2018 auch noch Einiges zu. Dennoch halten wir die aktuelle Bewegung für „zu viel, zu früh“. Mindestens zwei Ereignisrisiken könnten dem Euro schon in Kürze einen bösen Kater Rausch bescheren: ein nicht gänzlich auszuschließender Rückschlag bei den deutschen Regierungsverhandlungen (z.B. ein GroKo-Nein beim SPD-Parteitag) oder ein Schreckmoment angesichts der Italien-Wahl im März. Letztere scheint die Finanzmärkte derzeit fast schon sträflich kalt zu lassen, kein Vergleich zu dem Zittern, das den Euro noch im vergangenen Jahr angesichts der Wahlen in Frankreich erfasst hatte. Doch auch fundamental steht die jüngste Euro-Entwicklung auf dünnem Eis. So begeistert wie der Euro auf den jüngsten Zug der EZB-Spekulationen aufgesprungen ist, sollten wir nicht dem Irrglauben verfallen, dass die Leitzinswende schon in Kürze bevorstünde. Geschweige denn, dass (im Stil der Fed) eine ganze Reihe von weiteren Zinserhöhungen folgen würde. Bei nüchterner Betrachtung steht die EZB noch immer „nur“ vor einem graduellen Rückzug aus ihren Anleihekäufen – nicht mehr und nicht weniger.

Wir haben also eine Gemengelage aus negativen Ereignisrisiken (Italienwahl, Regierungsbildung Deutschland), überzogener EZB-Phantasie und einer bereits stark ausgeprägten Marktpositionierung zugunsten des Euro. Unseres Erachtens ist dies der perfekte Nährboden für eine Korrektur, die uns durchaus auch unter die Marke von 1,20 USD zurückführen könnte. Das ändert nichts an unserem übergeordneten Bild, das eindeutig Pro-Euro ist. Wir fühlen uns grundsätzlich im Lager der erklärten Euro-Bullen auch weiterhin sehr wohl und trauen der Gemeinschaftswährung längerfristig noch einiges an Aufwärtspotenzial zu.

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