Konzernaufspaltungen sind zur Zeit en vogue

Das Phänomen „Aufspaltung“ oder „Demerger“ von Konzernen ist aufgrund zahlreicher aktuell geplanter Transaktionen derzeit in aller Munde. Aktuelle Beispiele sind u. a. Thyssen-Krupp, Siemens, General Electric und DowDuPont. Teilweise sind es aktivistische Investoren, die auf eine Aufspaltung drängen, teilweise kommt das jeweilige Management ohne externen Anstoß auf diese Idee.
Managment und/oder Investoren argumentieren, dass Konglomerate aufgrund ihrer Komplexität mit einem sogenannten Konglomeratsabschlag gegenüber spezialisierten Wettbewerbern bewertet werden. Dieser Abschlag würde bei einer Aufspaltung entfallen. Die Einzelteile des Unternehmens wären demnach mehr wert, als der Verbund der Unternehmensteile. Aus Investorensicht spricht für eine Aufspaltung zudem die daraus resultierende Möglichkeit, gezielter in bestimmte Geschäftsfelder investieren zu können.

Eine Aufspaltung führt zu einer Fokussierung auf einen mehr oder weniger eng definierten Geschäftsbereich. Das kann im günstigen Fall die organisatorische Komplexität senken, Entscheidungsprozesse schneller und flexibler gestalten und so das Unternehmen in die Lage versetzen agiler auf Herausforderungen zu reagieren und stärker zu wachsen. Dem steht als potenzieller Nachteil gegenüber, dass das Unternehmen weniger gut diversifiziert und damit Schwankungen im jeweiligen Geschäftsbereich stärker ausgesetzt ist. Zudem können unter Umständen Synergien (z.B. bei Einkauf, Logistik, Produktion) zwischen verschiedenen Geschäftsbereichen nicht mehr realisiert werden.
Ob die Vorteile einer Aufspaltung die Nachteile überwiegen lässt sich letztlich nur im jeweiligen Einzelfall beurteilen. Nach unserer Einschätzung dürften aber viele große Konzerne unter hohen Komplexitätskosten leiden was dafür spricht, dass eine gute Chance besteht mittels Aufspaltung Wert für die Aktionäre zu schaffen. Auch die derzeit hohen Aktienkurse und Bewertungen erhöhen die Bereitschaft des Managements, sich von nicht zum originären Geschäftszweck benötigten Unternehmensteilen zu trennen.

Eine ausgeprägte Tendenz zur Aufspaltung und Spezialisierung ist seit einigen Jahren in Teilen des Chemiesektors zu erkennen.
Durch eine wachsende Konkurrenz vor allem in Schwellenländern (z. B. China, Mittlerer Osten) intensivierte sich der Wettbewerb in der Basischemie (Upstream-Geschäft). Für Chemieunter-nehmen aus den Industrieländern war daher Differenzierung das entscheidende Merkmal für den weiteren Geschäftserfolg. Ein höherer Differenzierungsgrad lässt sich insbesondere im Downstream-Geschäft (Spezialchemie) erzielen. Dies zeichnet sich aufgrund des hoch technologischen Produktionsprozesses (Markteintrittsbarriere), der stärkeren Kundennähe und der geringeren Zyklizität als das attraktivere Geschäft aus. Entsprechend rückte für Chemie-Konzerne die Transformation zu einem Anbieter von Spezialchemikalien in den strategischen Mittelpunkt. Im Fokus stand dabei der Aufbau ganzer Wertschöpfungsketten. Mit dieser Transformation trennten sich die Chemieunternehmen mittels Aufspaltungen, Abspaltungen und Spin-Offs von Bereichen, die nicht in die Wertschöpfungskette eines eng definierten Geschäfts-/Produktbereiches eingebunden waren.
Gleichzeitig kam es allerdings in bereits hochspezialisierten Chemie-Geschäftsbereichen auch zu einer Konsolidierung des Marktes. So ist das Industriegas-Geschäft durch die Übernahme von Airgas durch Air Liquide und die Fusion von Linde mit Praxair stark konzentriert. In der Agrarchemie verringerte sich durch M&A-Transaktionen (Syngenta-Übernahme durch ChemChina, geplante Monsanto-Übernahme durch Bayer, Fusion von Dow Chemical und DuPont) ebenfalls die Zahl der „großen Player“ von sechs auf lediglich noch vier.

Im Industriesektor wird im Vorfeld des Börsenganges der Medizintechniksparte von Siemens nun auch beim Wettbewerber General Electric (GE) laut über Abspaltungen von Unternehmensteilen nachgedacht. Der neue Vorstandsvorsitzende steht angesichts eines dramatischen Kursverfalls der Aktie gehörig unter Druck. Das Management hatte im November bereits die Konzentration auf die Kernbereiche Luftfahrt, Energie und Gesundheit sowie den Verkauf von Randaktivitäten angekündigt. Derzeit werden vom Management weitere Optionen durchgespielt, so dass auch die Börsenplatzierung von Sparten möglich erscheint. Eine Aufspaltung des Konzerns wäre eine Kehrtwende, die wohl kaum freiwillig passiert. Seit 2013 hatte der Industriekonzern etwa 34 Mrd. USD in Zukäufe zum Ausbau mehrerer Geschäftsfelder investiert, die teilweise zu einem ungünstigen Marktzeitpunkt und zu einem überhöhten Preis erfolgten. Die Akquisitionsstrategie hat sich im Nachhinein als wenig wertschaffend für die Aktionäre herausgestellt. Ein positives Beispiel für eine Aufspaltung im Industriesektor ist der niederländische Technologiekonzern Philips, der sich von seinem traditionellen Beleuchtungsgeschäft trennte und nun auf Medizintechnik fokussiert.

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