Märkte mögen Merkel

Am vergangenen Sonntag haben sich die Sozialdemokraten nach vielen innerparteilichen Querelen mit relativ knapper Mehrheit für eine Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit CDU/CSU ausgesprochen. Eine Neuauflage der großen Koalition ist damit aber noch nicht gesichert. Neben inhaltlichen Hürden zwischen den drei Volksparteien wird die SPD-Führung auch die Basis der Partei von einer weiteren Zusammenarbeit mit den Konservativen überzeugen müssen. Sollten die Koalitionsgespräche scheitern, sähe sich die Bundesrepublik nur noch zwei, dann historischen Optionen gegenüber: der Bildung einer Minderheitsregierung (unter Führung der Union) oder Neuwahlen.

Bisher zeigten sich Investoren in deutsche Staatsanleihen unbeeindruckt von der politischen Hängepartie im Anschluss an die Bundestagswahlen. Sollten entgegen der bisherigen (Markt-)Erwartungen die Gespräche der beiden Volksparteien ergebnislos verlaufen, sodass Deutschland ein halbes Jahr nach den Wahlen immer noch keine mehrheitsfähige Regierung vorzeigen kann, könnte die Unruhe unter EWU-Anlegern etwas zunehmen. Investoren müssen vor allem damit rechnen, dass der EWU-Reformprozess weiter ins Stocken gerät und auch die Brexit-Gespräche negativ beeinflusst werden könnten.

Da die Kapitalmärkte grundsätzlich Vertrauen in die politisch-demokratischen Institutionen Deutschlands hat, würde aber auch eine abermalige Neuwahl nicht unbedingt zu einer nachhaltigen Zunahme der Risikoaversion am Rentenmarkt führen. Entscheidend dürfte vielmehr sein, welche politische Zukunft Bundeskanzlerin Merkel haben wird. Allein die Spekulation, Merkel könne einen Rückzug vom Posten der Bundeskanzlerin erwägen, würde ausreichen, die Risikoaversion unter den EWU-Investoren zu steigern. Im Anleihebereich dürfte dies vor allem eine Flucht in die sicheren Häfen wie Bundesanleihen auslösen, wohingegen Staatstitel der Peripherie unter Druck geraten könnten. Die Sorge der Anleger würde insbesondere darauf beruhen, dass ein neuer Regierungschef aus dem Unions-Lager womöglich einen härteren europapolitischen Kurs einschlagen könnte.

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