US(D)-Politik auf Irrwegen

Der amerikanische Finanzminister Steven Mnuchin sorgte am Mittwoch für größere Marktturbulenzen, als er verkündete, dass ein „schwächerer Dollar“ positiv für den US-Exportsektor wäre. Dabei war es sicherlich nicht der Inhalt seines Statements an sich, der die Märkte überraschte (dass eine schwächere Währung den Export tendenziell beflügelt, ist schließlich unbestreitbar), sondern die Tatsache, dass sich ein hochrangiges Mitglied der US-Regierung überhaupt zum Außenwert des Dollars äußert. Der Markt reagierte prompt und wenngleich sich der Dollar heute wieder in besserer Verfassung präsentiert, ist die Verunsicherung über die offizielle Dollar-Politik der Trump-Administration groß. Dabei ist es nicht das erste Mal, dass die Politik des starken Dollars in Frage gestellt wird. Eingeführt wurde sie im Jahr 1995 von dem damaligen Finanzminister Robert Rubin und wurde seither von all seinen Nachfolgern weitergetragen, wenngleich nicht immer mit derselben Überzeugung. Tatsächlich lässt sich die Einstellung der US-Regierung gegenüber dem US-Dollar bestenfalls als „ambivalent“ bezeichnen. Zwar haben alle Administrationen der vergangenen 20 Jahre am offiziellen Mantra des starken Dollars festgehalten, die Sorge über die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen eines zu starken Dollars war aber nie fern. Sicherlich nicht immer zu unrecht. Allerdings birgt auch ein schwächerer Dollar signifikante Gefahren, nicht nur was die Finanzierung des US-Budgetdefizits betrifft, sondern auch im Hinblick auf den Status des Dollars als die größte Reservewährung weltweit. Letzteren genießt der Dollar bereits seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und des im Jahr 1945 abgeschlossenen Vertrags von Bretton Woods. Was Größe und Liquidität betrifft, kann kein Markt der Welt mit dem US-Staatsanleihenmarkt mithalten, was ihn insbesondere für Reservemanager extrem attraktiv macht. In vielerlei Hinsicht ist der Status des Dollars als die größte Reservewährung der Welt sicherlich ein Segen, ermöglicht sie dem amerikanischen Staat doch fast unbegrenzten Zugang zu internationalem Kapital. Doch der Reservestatus des Dollars kommt mit Verantwortungen. Nicht nur in fiskalpolitischer Hinsicht, sondern auch was den Außenwert des Dollars betrifft. Sicherlich war auch dies ein Grund für die Einführung der Politik des starken Dollars unter Rubin. Denn: auch wenn die amerikanische Regierung tatsächlich niemals aktive Schritte unternommen hat, um den Dollar zu stützen, so war die Politik des starken Dollars immerhin eine Garantie, dass sie keine Abwertung des Dollars anvisieren würde. Wir glauben nicht, dass Steven Mnuchin’s Kommentare in Davos als Zeichen interpretiert werden sollten, dass die US-Regierung ihre Einstellung zur Politik des starken Dollars grundsätzlich geändert hat. Die starke Marktreaktion zeigt jedoch, dass Investoren der Trump-Administration mittlerweile fast alles zutrauen. Eine Aufkündigung der Dollar-Politik der vergangenen 20 Jahre dürfte jedoch selbst dem Populisten Trump zu riskant sein.

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