Protektionismus ist Gift für die Weltkonjunktur

Der US-Präsident sieht in dem Aufbau von Handelsschranken einen geeigneten Weg, um das große Defizit in der US-Handelsbilanz zu begrenzen. Dementsprechend hat er vor wenigen Tagen Zölle auf Solaranlagen und Waschmaschinen verhängt. Bei seiner heutigen Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos hat er seine „Amercia first“-Strategie erneut bekräftigt und gesagt, dass „es keinen offenen Handel geben kann, wenn einige Länder das System auf Kosten anderer ausnutzen.“ Andererseits äußerte er die Bereitschaft zu separat ausgehandelten, bilateralen Handelsverträgen. Glücklicherweise wird der Drang zur Abschottung nicht von allzu vielen Staatenlenkern geteilt. Denn ein Blick in die Vergangenheit verdeutlicht sehr schnell: Eine schwache Dynamik beim Welthandel geht meist mit verhaltenem Wachstum der Weltwirtschaft einher.

Es wird aber auch noch mehr deutlich: Seit der Finanzkrise hinkt der Zuwachs beim Welthandel, der Dynamik der Vorkrisenjahre hinterher. Bis 2007 lagen die Steigerungsraten im Wesentlichen in der Bandbreite zwischen fünf und zehn Prozent. Ab dem Jahr 2013, also nach den starken Schwankungen, die durch die große Finanz- und Wirtschaftskrise ausgelöst wurden, bis zum Jahr 2016 wuchs im Durchschnitt das Handelsvolumen jährlich nur um schwache zwei Prozent.

Erst im vergangenen Jahr zog der Schwung beim internationalen Warenaustausch wieder sichtbar an. Prompt konnte sich endlich das Wirtschaftswachstum sichtbar von der 3‑Prozent-Marke lösen, auf diesem niedrigen Niveau hatte es immerhin fünf Jahre in Folge verharrt! Dieser jüngste Schwung beim Welthandel ist folglich auch mit dafür verantwortlich, dass in diesem Jahr die Weltwirtschaft erstmals seit sieben Jahren wieder um rund vier Prozent wachsen dürfte. Im langjährigen Durchschnitt ist der Welthandel immerhin für ein Drittel des Weltwachstums verantwortlich, im vergangenen Jahr war der Wachstumsbeitrag sogar noch größer.

Deshalb ist es sehr beruhigend, dass sich andere Regierungschefs, wie beispielsweise der kanadische Premierminister Trudeau, nicht nur in Davos sehr deutlich „für“ einen freien Welthandel aussprechen. Darüber hinaus gab Trudeau auch noch bekannt, dass sein Land zuvor in Tokio mit zehn asiatischen Ländern das Freihandelsabkommen TPP abgeschlossen hat. Die teilnehmenden Staaten verpflichten sich nicht nur in den kommenden Jahren Zölle und Handelsbeschränkungen abzubauen, sondern es wurden auch noch Mindeststandards für Umweltschutz und Arbeitnehmerrechte festgeschrieben.

Bemerkenswert und dies weist auf „frischen Wind“ hin, ist auch die Tatsache, dass der TPP-Vertrag auch Regelungen für die Bereiche Dienstleistungen und Finanzgeschäfte enthält. Nicht dabei sind die USA, da Trump vor einem Jahr – quasi als erste Amtshandlung – aus den Verhandlungen ausgestiegen war, die schon so gut wie abgeschlossen waren. Auch das im vergangenen Jahr zwischen der Europäischen Union und Kanada vereinbarte CETA‑Abkommen ist nicht nur ein Bekenntnis zum freien Welthandel, sondern dürfte diesem auch neue Impulse verleihen.

Dennoch ist es natürlich sehr gefährlich, dass sich die Vereinigten Staaten als größtes Industrieland der Welt einer weiter voranschreitenden Globalisierung entgegenstellen. Durch Vergeltungsmaßnahmen von betroffenen Ländern könnte es sehr schnell zu einer Kettenreaktion und damit zu einem Handelskrieg kommen. Die Weltkonjunktur würde hiervon ganz erheblich beeinträchtigt werden.

 

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