Aktienmärkte: Konsolidierungsphase steht wohl bevor

Der aktuelle Aufschwungstrend am Aktienmarkt, der im November 2016 mit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten seinen Anfang genommen hat, wird sich in diesem Tempo nicht fortsetzen können. Seit der Wahl Trumps ging es beim Dow Jones und beim Nasdaq-100 knapp 50% bergauf, beim S&P 500 40% und auch der DAX stieg immerhin noch um ein Drittel. Schreibt man diese Kursentwicklung fort (wozu einige Anleger derzeit zu neigen scheinen), stünde der DAX in etwas mehr als einem Jahr bei 18.000 Punkten, der S&P 500 bei 4.200 und der Dow Jones bei rund 40.000 Punkten. Von der Entwicklung der Gewinne würde eine solche Kursbewegung nicht unterstützt.

Die Aktienmärkte sind aktuell aus technischer Hinsicht so überhitzt wie seit langer Zeit nicht mehr. Mit Ausnahme des schwedischen Aktienleitindex (OMX 30) notieren alle der 20 größten Aktienindizes weltweit deutlich über ihrem 200-Tage-Durchschnitt, und zwar im Mittelwert um 9%. Speziell die US-Indizes sind ihrer langfristigen Trendbewegung seit geraumer Zeit vorweggelaufen. Solche eine heiß gelaufene Kursentwicklung war zuletzt 2011 zu beobachten, nach der „Basiserholung“ der dramatischen Jahre 2008/09.
Im Vergleich zu 2011 ist die fundamentale Ausgangslage für die Aktienmärkte heute jedoch besser. Die US-Wirtschaft fährt wie ein langsamer Tanker voran. Trotz des im Vergleich zu früheren Aufschwüngen schwachen Wachstums, expandiert die US-Ökonomie schon seit 8 ½ Jahren. Dies ist einer der längsten Wirtschaftsaufschwünge in der Geschichte des Landes, wenngleich nicht der stärkste. Auch die übrigen großen Volkswirtschaften wachsen, so dass der Aufschwung weltweit derzeit synchron verläuft, was nicht häufig vorkommt. Die Frühindikatoren zeigen an, dass viele Volkswirtschaften eher an Fahrt aufnehmen, statt an Tempo zu verlieren. Es sieht also nicht danach aus, dass der Konjunktur in naher Zukunft der Saft ausgeht.

Im Gegenteil: Der Aufschwung unter Präsident Obama verlief recht träge, seine Position zur Wirtschaft schien recht indifferent. Das getätigte Investitionsvolumen von Staat und Unternehmen fiel dementsprechend verhalten aus. Demgegenüber hat sich Präsident Trump bisher als wirtschaftsfreundlich präsentiert und einen deutlichen Anstieg des Wirtschaftsoptimismus ausgelöst (auch, wenn es dieser nicht ausschließlich auf ihn zurück zu führen ist). Dieser hat dazu geführt, dass das Volumen privater Investitionen 2017 in den USA wieder deutlich anstieg. Auch wird die jüngst verabschiedete Steuerreform zur Folge haben, dass sich die Gewinne und Neuinvestitionen der Unternehmen positiv entwickeln werden. Dank der Möglichkeit zur Repatriierung von Auslandsguthaben werden die Brieftaschen der Unternehmen immer dicker.
Diese Entwicklungen werden an den Aktienmärkten derzeit eingepreist. Negative Entwicklungen, die langfristig den Aufschwung an den Märkten bremsen können, werden größtenteils ausgeblendet. Dazu gehören politische Risikofaktoren (z.B. die Gefahr eines zunehmenden Protektionismus), aber auch strukturelle Trends (z.B. der absehbare Wechsel der Fed vom Nettokäufer zum Nettoverkäufer von Bonds, Bedrohung von Arbeitsplätzen durch Automatisierung) und nicht zuletzt die sehr Bewertungsindikatoren auf Extremniveaus (rekordniedrige Volatilität, hohe Aktienmarktbewertung etc.) sowie die dadurch bedingt geringen perspektivischen Renditen.
Auch wenn die konjunkturellen Aussichten weiterhin sehr positiv sind, ist eine baldige Konsolidierung am Aktienmarkt nur noch eine Frage der Zeit. Europa würde aber wohl nicht so stark leiden wie der US-Aktienmarkt.

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