Digitalisierung gehört ganz oben auf die politische Tagesordnung!

Digitalisierung und Automatisierung werden schon bald unsere Gesellschaft radikal verändern. Es drohen Facharbeitermangel und Arbeitslosigkeiten in gefährlichem Ausmaß. Doch kaum jemand in der Politik interessiert sich dafür. Dabei brauchen wir dringend eine breite Diskussion, wie wir uns auf diese Revolution vorbereiten müssen.

Industrie 4.0, Blockchain, Cloud, künstliche Intelligenz, permanente Vernetzung sind einige Schlagworte zur Digitalisierung. Tatsächlich vergeht kaum eine Woche in der man nicht einen Teilaspekt der Digitalisierung bespricht. Dies zeigt die Dominanz und Relevanz dieses Themas. Tatsächlich wird die Digitalisierung und Automatisierung unseren Lebensstil und die Arbeitswelt stark beeinflussen und nachhaltige Effekte haben. Und welchen Stellenwert hatte dieses Thema in den aktuellen Verhandlungen zur neuen großen Koalition? Es kam nur am Rande vor.

Digitalisierung und Automatisierung wird die Arbeitswelt in den kommenden Jahren radikal verändern. Kurzgesagt werden sämtliche Tätigkeiten die wiederholbar sind auf dem Prüfstand stehen, ob man diese nicht automatisieren kann. Und in den meisten Fällen wird das möglich sein.

Das Gleiche gilt für Tätigkeiten, die nicht sehr kreativ sind. Auch diese wird man in einigen Jahren durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz zumindest teilweise automatisieren können. Dabei ist natürlich nicht sicher bis zu welchen Grad und vor allem mit welcher Geschwindigkeit die Digitalisierung und Automatisierung voranschreiten wird. Die Unternehmen müssen die Digitalisierung nutzen, um ihre Prozesse zu optimieren bzw. die Kosten zu senken.

Diese Prozessoptimierung mit Hilfe der Digitalisierung ist in der Industrie bereits schon fortgeschritten und gewinnt durch die Vernetzung der Maschinen und Werkzeuge (Schlagwort ist hier: Industrie 4.0) weiter an Dynamik. Im Dienstleistungsbereich und bei Banken steht man dagegen erst am Anfang und die Umwälzungen dürften in diesen wirtschaftlichen Sektoren in den kommenden Jahren noch viel deutlicher spürbar sein.

In früheren Phasen von technologischen Umbrüchen kam es zu einer deutlichen Reduktion der Zahl der Beschäftigten. Dies muss diesmal nicht der Fall sein. Diesbezüglich sind wird zurzeit in der der günstigen Situation, dass der Effekt der Digitalisierung auf dem Arbeitsmarkt durch demographische Effekte Großteils ausgeglichen werden kann. Die Babyboomer gehen in den nächsten Jahren in Rente, wodurch man rein rechnerisch einen großen Teil der durch Digitalisierung gefährdenden Stellen ohne einen Anstieg der Arbeitslosigkeit abbauen kann.

Jedoch ergibt sich daraus ein anderes Problem. Das Anforderungsprofil an die Arbeitnehmer wird sich deutlich verändern. Zum einem verlassen mit den Babyboomern im Durchschnitt sehr gut ausgebildete Mitarbeiter den Arbeitsmarkt, zum anderen erfordert die Zusammenarbeit mit Robotern und künstlicher Intelligenz eine hohe Qualifizierung und teilweise auch ganz neue Fähigkeiten. Ohne nennenswerte qualifizierter Zuwanderung wird man in Deutschland nur einen Teil der Nachfrage nach diesen gut ausgebildeten Mitarbeitern finden können. Der Mangel an Facharbeitern könnte also noch erheblich zunehmen.

Auf der anderen Seite wird die Nachfrage nach Mitarbeitern die nur einfache Tätigkeiten wahrnehmen deutlich nachlassen. Defizite in der Ausbildung machen sich entsprechend schnell ungünstig bemerkbar. In Folge dürfe sich am Arbeitsmarkt eine Zweiklassengesellschaft entwickeln, die sich durch das Qualifikationsniveau, aber auch durch das Gehaltsniveau deutlich unterscheiden. Diese Entwicklung könnte weitreichende gesellschaftliche Folgen haben. Die gesellschaftliche Teilhabe von ganzen Bevölkerungsschichten wäre dann nicht mehr gewährleistet. Dies dürfte sich dann auch unvorteilhaft in der politischen Willensbildung niederschlagen und populistische Parteien könnten entsprechend profitieren.

Diese Effekte der Digitalisierung und Automatisierung auf den Arbeitsmarkt sind unabwendbar und eigentlich nur eine Frage der Zeit. Entsprechend bräuchte man bereits jetzt eine ernsthafte Diskussion über politische Konzepte, die die ungünstigen Folgen erst gar nicht aufkommen lassen. Allen voran müsste man die Bildungspolitik modernisieren, die alten Strukturen überdenken und gegeben falls das Bildungssystem mit mehr finanziellen Mitteln ausstatten. Eine Diskussion nur über das Bildungssystem ist jedoch zu kurz gesprungen. In vielen Belangen man wohl auch gänzlich neue Wege gehen. Eine ernsthafte gesellschaftliche Diskussion über das bedingungslose Grundabkommen ist hier notwendig. Damit verbunden ist aber auch Überlegungen über den Umbau des Steuersystems. Den mit dem voranschreiten der Digitalisierung wird immer mehr Wertschöpfung von den Maschinen erbracht. Diese Wertschöpfung wird zurzeit aber nicht gleichwertig zur normalen Wertschöpfung besteuert. Auf Dauer ein Zustand, der nicht durchhaltbar ist.

Digitalisierung und Automatisierung werden vielen Veränderungen mit sich bringen, für die Gesellschaft aber auch für den einzelnen Menschen. Bei einer unzureichenden politischen und gesellschaftlichen Debatte dürfte der Standort Deutschland an Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit verlieren, da die Konzepte für die Bewältigung der daraus entstehenden Herausforderungen dann fehlen. Den eins ist auch klar, die Welt wartet auch in diesem Thema nicht auf Deutschland. Wenn Deutschland als Standort nicht die richtigen Angebote an die Unternehmen machen kann, werden die Investitionen in besser aufgestellte Länder getätigt werden.

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