Japan: Konjunkturschwung lässt im Schlussquartal 2017 nach

Die japanische Wirtschaft ist im Endquartal 2017 nur noch um +0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen, was deutlich unter den Erwartungen lag. Im zweiten und dritten Quartal hatte Japan noch Zuwachsraten von jeweils +0,6 Prozent erreicht. Die schwache Zahl vom Jahresende verdeckt allerdings etwas, dass die Binnennachfrage zuletzt recht dynamisch war. So hat sich vor allem der private Konsum im Endquartal weitgehend von seinem Rückgang im Vorquartal erholt, und auch die private Investitionstätigkeit ohne den Wohnungsbau zeigte deutliches Wachstumstempo. Dass die Anlageinvestitionen insgesamt dennoch negativ ausfielen, hat damit zu tun, dass der Staat seine Investitionsaktivitäten zuletzt deutlich zurückgefahren hat. Auch der Staatskonsum war am Jahresende rückläufig.

Der japanische Aufschwung währt nun schon volle acht Quartale, das Wirtschaftswachstum im Gesamtjahr addiert sich nun auf 1,6 Prozent. Gleichwohl zeigt die jüngste Zahl vom vierten Quartal, dass es erhebliche Konjunkturrisiken für das Land gibt. Die starke Abhängigkeit von importierter Energie hat am Jahresende die Einfuhren hochschnellen lassen. Dies war maßgeblich dafür verantwortlich, dass das jüngste Quartalswachstum – trotz deutlich angestiegener japanischer Exporte – so niedrig ausfiel. Besonders in einer Phase schnell und kräftig steigender Ölpreise – wie jener seit dem letzten Jahresende – können bisherige Handelsbilanzüberschüsse dahinschmelzen wie Schnee in der Sonne, und es kann sich schnell wieder eine gesamtwirtschaftliche Schieflage einstellen.

Der Konjunkturschwung ist also erst einmal vor allem durch die Ölabhängigkeit von außen aus dem Tritt geraten. Auch die Tatsache, dass die Regierung zuletzt keinen fiskalpolitischen Impuls mehr gesetzt hat, dürfte zur Schwäche beigetragen haben. Dabei musste sich der japanische Aufschwung allerdings sowieso früher oder später abschwächen beziehungsweise normalisieren, denn die bis zum Herbst letzten Jahres erzielten Zuwachsraten waren zeitweise sehr deutlich über der Potenzialrate des Landes und daher nicht nachhaltig. Die japanische Notenbank hat jetzt allen Grund, ihre extrem expansive Geldpolitik bis auf Weiteres fortzuführen. Die Wirtschaft wartet darüber hinaus jetzt auf klare Ansagen der Regierung in Bezug auf weitergehende Strukturreformen, insbesondere für den Arbeitsmarkt.

 

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