Südafrika: Zeit der guten Hoffnung

In Südafrika ist Staatspräsident Jacob Zuma gestern von seinem Amt zurückgetreten. Damit erspart Zuma sich und seiner Partei eine Abwahl im Rahmen eines Misstrauensvotums im Parlament. Zuma hat solche Voten zwar mehrfach überstanden, in diesem Fall schienen sich Opposition und regierender ANC aber einig, den Präsidenten abzuwählen. Damit wird Vizepräsident Cyril Ramaphosa, der seit Dezember 2017 auch der Vorsitzende des ANC ist, der neue Präsident des Landes. Innerhalb von 30 Tagen muss das Parlament dies bestätigen, was angesichts der ANC-Mehrheit aber sehr wahrscheinlich ist. In der Abstimmung dürfte sich zeigen, wie stark der Rückhalt Ramaphosas in seiner Partei ist.

Welche Vorteile bietet dieser zügige und vergleichsweise reibungslose Machtwechsel? Cyril Ramaphosa kann nun früher damit beginnen, seine politische Agenda, die auf Wachstum durch verbesserte Rahmenbedingungen für Unternehmen, stärkere Bildungsförderung und Anti-Korruptionsmaßnahmen setzt, in die Tat umzusetzen. Dies dürfte die Zuversicht im Land sowie bei externen Investoren stärken und damit die dringend benötigte Beschleunigung des Wachstums unterstützen. Über die letzten drei Jahre hat das BIP im Schnitt um weniger als 1 Prozent pro Jahr zugelegt. Möglicherweise gelingt es sogar, die drohende Ratingherabstufung durch die Agentur Moody’s zu verhindern, sollte der politische Neuanfang zügig und glaubhaft vermittelt werden können. Ein wichtiges Indiz hierfür dürfte die Präsentation der Budget-Eckdaten sein, welche planmäßig in den nächsten Tagen ansteht.

Jenseits der Erwartungen sollte aber nicht verkannt werden, dass auch ein neuer Präsident die erheblichen strukturellen Probleme Südafrikas nur mit viel Zeit, einem günstigen wirtschaftlichen Umfeld und hohem politischen Rückhalt eindämmen kann. Die Stärkung des institutionellen Rahmens, der in der Zeit der Zuma-Regentschaft gelitten hat, liegt dabei noch im zeitnahen Einfluss der Regierung. Die massiven sozialen Ungleichheiten, der mittlerweile limitierte Fiskalspielraum, ein chronisches Minus in der Leistungsbilanz und Mängel in der Infrastruktur stellen dagegen sehr ausgeprägte und beharrliche Herausforderungen dar.

Für Investoren sollten die letztgenannten Faktoren eine dauerhaft euphorische Sicht auf Südafrika verhindern, zumal die neue Regierung tatsächlich auch erst einmal „liefern“ muss. Dennoch besteht mit der Reduzierung des politischen Risikos und der Prognose, dass Südafrikas Wachstum an Dynamik gewinnen kann, immerhin wieder die Hoffnung auf neuen Schwung am Kap, welcher die sehr pessimistische Sichtweise der letzten Jahre verdrängen könnte.

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