Geld im Zeitalter von Digitalisierung und Kryptowährungen

Das Zeitalter der Digitalisierung hat auch den Bereich des Geldes erfasst, und das nicht erst seit der zunehmenden Prominenz von Kryptowährungen. Vielmehr ist bereits seit vielen Jahren eine Entwicklung weg von Bargeld und hin zu elektronischen Zahlungen, vor allem mit EC-Karten, zu beobachten. Dieser Trend sollte in den nächsten Jahren anhalten, dürften technische Weiterentwicklungen doch die entsprechende Nutzung noch einfacher und komfortabler machen.
Dass die derzeit existierenden Kryptowährungen, insbesondere Bitcoin, von diesem Trend nennenswert profitieren werden, darf bezweifelt werden. Ein bedeutender Kritikpunkt ist hierbei, dass Kryptowährungen wesentliche Anforderungen, die unser heutiges Wirtschaftsgefüge an Geld – egal ob analog oder digital – stellt, vermissen lassen. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang vor allem die enormen Kursschwankungen, die fehlende Basis für dauerhaftes Vertrauen und die geringe Akzeptanz auf Anbieterseite. Darüber hinaus werden Echtzeitzahlungen, die als bedeutender Vorteil von Kryptowährungen gelten, zumindest innerhalb der Grenzen von Währungsräumen auf absehbare Zeit auch mit traditionellen Zahlungsmitteln breitflächig möglich sein.

Zentralbankvertreter sind sich weitgehend einig, dass private Kryptowährungen für den alltäglichen Gebrauch auch künftig keinen größeren Anklang finden werden. Differenzen bestehen hingegen bei der Frage, ob und inwieweit der Bedarf besteht, eigene Zentralbank-Kryptowährungen zu begeben. Diese könnten neben Bargeld und dem Buchgeld der Geschäftsbanken als weitere Geldform existieren. Gerade in Ländern, die eine stark abnehmende Bedeutung von Bargeld verzeichnen, darunter Schweden, zeigen sich die Währungshüter offen für derartige Überlegungen und haben bereits Projekte gestartet. Sehr deutlich gegen die Einführung von Zentralbank-Kryptowährungen sprechen sich hingegen die Deutsche Bundesbank und die Schweizerische Nationalbank aus. Davon abgesehen, dass deren Vertreter keinen Bedarf für diese Geldform sehen, bestünden darüber hinaus bedeutende Risiken für die Kreditvergabemöglichkeiten von Geschäftsbanken und die Finanzstabilität.

Mit dem venezolanischen „Petro“ gibt es zwar seit Kurzem ein erstes Beispiel für eine staatliche Kryptowährung. Als Beispiel und Wegbereiter für renommierte Zentralbanken dürfte dieser jedoch kaum dienen. Schließlich sind die Motive der dortigen Regierung keineswegs mit den Überlegungen etablierten Zentralbanker oder freiheitsliebender Softwareentwickler vergleichbar. Es handelt sich lediglich um den Versuch vonseiten des dortigen Präsidenten Maduro, mithilfe der zunehmenden Bekanntheit von Kryptowährungen an harte Devisen zu kommen und seine Staatskasse aufzubessern.
Im alltäglichen Gebrauch der Bewohner stabiler, entwickelter Währungsräume wie dem Euroraum oder den USA dürften Zentralbank-Kryptowährungen vorerst nicht ankommen. Zu weit sind die teils laufenden Projekte noch von der Umsetzung entfernt. Viele Zentralbanken legen ihren Forschungsschwerpunkt außerdem nicht auf die Emission von eigenen Kryptowährungen. Vielmehr stehen effizientere Zahlungsverkehrs- und Wertpapierabwicklungssysteme auf Basis der Blockchain-Technologie im Zentrum der Bemühungen. Hier bezeichnet selbst die Deutsche Bundesbank die Ansätze als vielversprechend.

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