Weitere US-Zölle angedroht – friert der Welthandel jetzt ein?

An der Strategie des US-Präsidenten hat sich nichts geändert. Er sieht unverändert in dem Aufbau von Handelsschranken einen geeigneten Weg, um das große Defizit in der US-Handelsbilanz zu begrenzen. Nach Zöllen auf Solaranlagen und Waschmaschinen wird er jetzt wohl auch noch die Einfuhren von Stahl und Aluminium mit Strafgebühren belegen. Er beharrt also darauf, dass „es keinen offenen Handel geben kann, wenn einige Länder das System auf Kosten anderer ausnutzen.“

Noch vor wenigen Wochen war ein Handelskrieg, also ein Wettrüsten bei Einfuhrbeschränkungen recht unwahrscheinlich. Die Vereinbarung der Handelsabkommen TPP und CETA – auch wenn die USA an beiden nicht beteiligt sind – galten als ein klares Bekenntnis für den freien Welthandel. Durch die jüngste Entscheidung des amerikanischen Präsidenten droht das Pendel allerdings in die andere Richtung umzuschwenken, die Gefahr einer Eiszeit beim internationalen Handel ist sichtbar gestiegen. Sollte Donald Trump tatsächlich in der kommenden Woche weitere Handelssanktionen verhängen, dann droht jetzt durchaus eine Kettenreaktion durch Vergeltungsmaßnahmen von betroffenen Ländern. Belastungen für die Weltkonjunktur wären ernsthaft zu befürchten.

Nach fünf mageren Jahren in Folge hatte doch gerade erst im vergangenen Jahr die erhöhte Dynamik beim Welthandel dafür gesorgt, dass sich das Wachstum der Weltwirtschaft endlich sichtbar von der 3‑Prozent-Marke lösen konnte. Dank des aktuell immer noch vorhandenen Schwungs beim Welthandel rechnen wir eigentlich in diesem Jahr mit einem Wachstum der Weltwirtschaft um rund vier Prozent. Als wichtiger Wachstumsmotor ist im langjährigen Durchschnitt der Welthandel immerhin für ein Drittel des Weltwachstums verantwortlich, im vergangenen Jahr war der Wachstumsbeitrag sogar noch etwas größer.

Die Bremswirkungen von weiteren Strafzöllen von der US-Seite würden natürlich vor allem die wichtigsten Handelspartner aber auch die insgesamt stark exportabhängigen Volkswirtschaften treffen. So stammen rund 16 Prozent des importierten Stahls aus dem Nachbarland Kanada, darüber hinaus fließen allein drei Viertel der kanadischen Exporte in die USA!

Auch für Deutschland sind die USA nach dem Euro-Raum noch immer der wichtigste Exportpartner. So wurden nicht nur im vergangenen Jahr rund neun Prozent der Warenausfuhren in die Vereinigten Staaten geliefert. Der Anteil von Stahl und Aluminium, sowie daraus hergestellte Produkte machen knapp drei Prozent der Exporte in die USA aus. Aus Exportsicht spielen die direkten Auswirkungen einer Zollerhebung damit gesamtwirtschaftlich nur eine untergeordnete Rolle. Die relative Bedeutung der Stahlexporte für den gesamten Währungsraum in den USA fällt sogar noch geringer aus.

Hinzu kämen aber noch Zweitrundeneffekte durch eine insgesamt verlangsamte Weltkonjunktur und auch auf Branchenebene könnte es zu größeren Verwerfungen kommen. So würden wahrscheinlich größere Teile der vergleichsweise billigen Weltstahlproduktion auf die europäischen und damit auch auf die deutschen Märkte drängen, der Wettbewerbsdruck für die heimischen Produzenten würde steigen.

Nicht nur aus Kanada, China oder von der EU-Kommission wurden in den letzten Tagen Vergeltungsmaßnahmen bei weiteren Strafzöllen der US-Regierung angekündigt. Dies würde sehr wahrscheinlich die exportstarke US‑Landwirtschaft betreffen. Darüber hinaus ist es fraglich, ob die derzeit noch laufende Neuverhandlung des NAFTA-Abkommens mit Kanada und Mexiko bei weiteren protektionistischen Maßnahmen durch die USA überhaupt noch weitergeführt wird.

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