EZB: Homöopathischer Schritt in Richtung geldpolitischer Normalität

Nachdem die EZB-Falken bereits zur Januar-Sitzung auf eine Adjustierung der Forward Guidance für das APP gedrängt hatten, konnten sie sich beim heutigen Treffen endlich durchsetzen. Die EZB verzichtet nunmehr auf die Option einer erneuten Aufstockung der monatlichen Anleihekäufe. Damit vollzieht die EZB einen weiteren zwar klitzekleinen aber selbstbewussten Schritt auf dem langen Weg zur geldpolitischen Normalität. Zugleich schaffen die Währungshüter mit dem Beschluss die Voraussetzungen, im Sommer über den grundsätzlichen Fortgang des Anleiheankaufprogramms zu entscheiden. Marktseitig wurde der EZB-Beschluss zunächst als leicht „hawkish“ interpretiert.

Bei der Pressekonferenz hat sich EZB-Chef Draghi weiter zuversichtlich hinsichtlich den europäischen Konjunkturaussichten geäußert. Die zunehmenden protektionistischen Tendenzen (US-Strafzölle) stellen allerdings einen weiteren potenziellen Risikofaktor für den Wachstumsausblick dar. Im Hinblick auf die Inflationsperspektiven hat der Notenbankchef nach wie vor die Notwendigkeit eines umfangreichen geldpolitischen Stimulus hervorgehoben. Allerdings verschiebt sich der Fokus der Währungshüter hierbei zusehends: Weg von den monatlichen Anleihekäufen hin zu den Reinvestitionen. In Summe ist es Draghi damit gelungen nach einer „hawkishen Maßnahme“ die Märkte mit einer „dovishen Pressekonferenz“ im Zaum zu halten.
Wir fühlen uns in unserer Erwartung bestätigt, wonach die Währungshüter in homöopathischen Schritten von ihrem bisherigen geldpolitischen Kurs abrücken. Als nächstes wird die EZB wohl in ihrer Wortwahl das Anleiheankaufprogramm vom Inflationsziel abkoppeln. Dies würde es den Notenbankern grundsätzlich ermöglichen, ein Auslaufen der monatlichen Anleihekäufe bis zum Jahresende zu beschließen.

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