Haben die Frühindikatoren im Konjunkturzyklus ihren „Peak“ überschritten?

Das Jahr 2017 war für die wirtschaftliche Entwicklung des Euro-Raums sehr erfolgreich. Mit einem Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr wurde das stärkste Wachstum seit dem Jahr 2007 verzeichnet. Spiegelbild dieser Wachstumsstärke sind die gängigen umfragebasierten Frühindikatoren. So haben sich diese seit Beginn des wirtschaftlichen Aufschwungs allmählich verbessert und spätestens seit der zweiten Jahreshälfte 2016 zu einem Höhenflug angesetzt. Die tatsächliche Wachstumsdynamik haben sie am Ende wohl etwas überzeichnet.

Dazu zählt zum einen der Indikator des sogenannten Wirtschaftsvertrauens. Diese Messzahl wird von der EU-Kommission für alle Mitgliedsländer der EU und der EWU auf Basis von nationalen Umfrage in den Bereichen Industrie, Dienstleistungen, Bau Einzelhandel und Konsumenten ermittelt und dann zu dem Barometer des Wirtschaftsvertrauens verdichtet. Zum anderen zählen dazu die Einkaufsmanagerindizes, die von dem privaten Umfrageinstitut IHS Markit erhoben werden und die Stimmungslage in den großen Unternehmen der Dienstleistungsbranche und des Verarbeitenden Gewerbes ermitteln.

Diese beiden Stimmungsbarometer haben zum Jahresanfang 2018 etwas von ihren Höchstständen eingebüßt und es entsteht der Eindruck, dass mit den Niveaus aus dem Dezember 2017 der Stimmungszenit überschritten wurde. Wenn dem so ist, dann müssten wir uns in den kommenden Monaten auf Meldungen von sinkender Wirtschaftsstimmung im Euro-Raum einstellen. Was bedeutet dies für die Wachstumsperspektiven des Währungsgebiets?

Um es klar vorweg zu sagen, das Wirtschaftswachstum würde dadurch nicht abrupt zum Erliegen kommen. Auch mit einer deutlich langsameren Gangart der Wachstumsdynamik ist nicht zu rechnen. Dies spielgelt sich auch in unserer Konjunkturprognose für den Euro-Raum wieder. Für das laufende Jahr erwarten wir das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts bei 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr, was im Vergleich zum Vorjahr nur leicht schwächer ausfällt.

Was für den Euro-Raum gilt, zeigt sich auch bei den wichtigsten Frühindikatoren für Deutschland. Der ifo-Geschäftsklimaindex als wichtigstes Stimmungsbarometer für die Unternehmenswelt in Deutschland hatte im November 2017 und dann noch mal im Januar 2018 ein Allzeitzeithoch von 117,6 Indexpunkten erreicht, maßgeblich wegen einer außerordentlich guten Bewertung der aktuellen Lage. Dieses Niveau konnte das Geschäftsklima zuletzt nicht halten. Während die Bewertung der aktuellen Lage nur etwas nachgegeben hatte, trübten sich im Februar die Geschäftserwartungen deutlich ein.

Auch bei den deutschen Privathaushalten konnte sich die Stimmungslage nicht mehr verbessern. Sie bewegt sich schon seit September 2017 auf einem Niveau von knapp 11 Indexpunkten. Damit liegt das Konsumklima noch immer auf einem hohen Niveau. Der insgesamt deutlichen Verbesserung der Stimmungsindikatoren in Deutschland dürfte jetzt eine Phase der Stimmungskorrektur folgen, was jedoch noch immer im Einklang mit einer Fortsetzung des Wachstums steht.

Die Abschwächung der Frühindikatoren für den gesamten Euro-Raum und auch in Deutschland ist daher nicht sonderlich beunruhigend. Der aktuelle Aufschwung, der im Euro-Raum nun schon seit mehr als vier Jahren anhält, hatte immer mehr Schwung aufgenommen. Bei dem zuletzt kräftigen Wachstum, wird es zusehends schwieriger noch eine Schippe drauf zu legen. Das zeigt sich schließlich auch in den Frühindikatoren. Das heißt aber nicht, dass der Aufschwung nun ein jähes Ende findet. Dafür müssten die Stimmungsindikatoren schneller und deutlicher sinken. Die jüngsten Rückgänge sind vielmehr dem sehr hohen Niveau geschuldet und nicht einer Eintrübung des Wirtschaftsgeschehens. Zudem bleiben wichtige Triebkräfte der globalen Konjunkturentwicklung intakt.

So sind beispielsweise in den USA die Stimmungsindikatoren für die Wirtschaft und die Konsumenten weiter in die Höhe geklettert. Im Februar erreichte die Konsumentenstimmung (Conference Board) ein 17-Jahres-Hoch und auch beim Industrieklima ist der Aufwärtstrend immer noch intakt. In den Vereinigten Staaten liefern allerdings die jüngsten Steuersenkungen zusätzliche Impulse für die Konjunktur. Dementsprechend erwarten wir für die US-Wirtschaft in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent, das leicht über der Dynamik des Vorjahres liegen dürfte.

 

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