Aktienmärkte bleiben unter Druck – Kaum Hoffnung auf Trendwende im März

Der Konjunkturmotor in Europa brummt, die Unternehmensgewinne wachsen, die EZB versorgt die Märkte großzügig mit Liquidität. Eigentlich kann die zukünftige Entwicklung nur schlechter werden – und genau dieses Szenario wird an den Aktienmärkten derzeit diskutiert, wie die Reaktionen auf die jüngst schwächer ausgefallenen Einkaufsmanagerindizes gezeigt haben.

Weitere Gründe für die anhaltend gedrückte Stimmung an den Aktienmärkten waren auch in den Sorgen um einen zukünftig schwächeren Welthandel zu finden, wozu die US-Regierung einen erheblichen Teil beigetragen hat, sowie dem jüngsten Facebook-Skandal. Präsident Trump bleibt eine Unsicherheitskomponente, insbesondere besteht das Risiko eines sich intensivierenden „Handelskrieges“, der allerdings auch die Etablierung neuer Zölle seitens China und Europas erfordern würde. Dies ist bisher nicht passiert. Der Skandal rund um das Datenloch bei Facebook dürfte ein Einzelfall bleiben, die anderen drei Unternehmen der „GAFA“-Gruppierung (Google, Amazon, Facebook, Apple) setzen auf ein unterschiedliches Geschäftsmodell und hantieren weniger mit persönlichen Daten als Facebook.

In Europa gibt es einige politische Großbaustellen, die in absehbarer Zeit angegangen werden müssen. Dazu gehören Reformen im hoch verschuldeten Italien, neue Hilfen für Griechenland, aber auch der anstehende Austritt der Briten aus der EU. Noch bleibt aber Zeit und die Konjunktur läuft mit guter Kraft.

Wir gehen unverändert davon aus, dass noch ein oder zwei gute Aktienjahre vor uns liegen. Trotz guter Fundamentaldaten ist jedoch auch zu erwarten, dass die Kursausschläge an den Aktienmärkten im Vergleich zum Vorjahr in der Zukunft zunehmen werden, auch weil die Markteilnehmer die vorherrschende Meinung immer wieder in Frage stellen werden. Die Veranlassung einen Crash vorherzusagen, gibt es allerdings nicht – es gab am Aktienmarkt bisher auch keine intrinsische Übertreibung wie zuletzt 1973/74 oder 1999/2000.

Die Diskrepanz zwischen Marktstimmung und Gewinnentwicklung wird am Aktienmarktdurch die Konsolidierung der Kurse immer größer. Die europäischen und deutschen Blue Chips werden 2018 Rekordgewinne erwirtschaften, was den DAX bis Ende des Jahres wieder deutlich ansteigen lassen sollte. Die Bewertung ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis im DAX von 11,7 günstig, auch die Dividendenrendite (3,5%) ist attraktiv.

Auch am US-Aktienmarkt haben sich nach der jüngsten Kurskorrektur sowie den, dank der Steuerreform, deutlich anziehenden (Netto-) Gewinnen die Bewertungsrelationen gebessert. US-Standardwerte werden nun mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 17 Einheiten nur noch etwas teurer als im historischen Mittel bewertet.

Zu beobachten bleibt, wie sich die schrittweise Entwöhnungskur der Notenbanken von der ultraexpansiven Geldpolitik auf die Aktienmärkte auswirken wird. Im Durchschnitt sind die US-Unternehmen sehr hoch verschuldet, die europäischen weniger. Aber, solange die Zinsen insgesamt auf niedrigen Niveaus verharren und die Konjunktur brummt, bleiben Aktien attraktiv, weil die Unternehmensgewinne fundamental treiben. Erst wenn die Notenbanken mit den Zinsanhebungen übertreiben, droht Gefahr, dass der Konjunkturaufschwung abgewürgt wird und auch die Aktienmärkte in den Baissemodus wechseln. Dies war zuletzt in den Jahren 2000 und 2007 zu beobachten.

Jedoch wird dieser Gezeitenwechsel am Aktienmarkt in Richtung fallender Kurse nicht ad hoc erfolgen. Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Aktienmärkte ab einem US-Renditeniveau um fünf Prozent zu Schwächephasen neigen – in diesem Zyklus vielleicht sogar schon auf einem niedrigeren Niveau. Einen solch deutlichen Renditesprung erwarten wir zunächst jedoch nicht.

Wie geht es weiter? – Vieles spricht dafür, dass sich die Aktienindizes erst wieder im April vom aktuellen, neuen Rücksetzer erholen können. Idealerweise treiben die steigenden Unternehmensgewinne die Aktienmärkte dann wieder im Frühsommer in Richtung der alten Hochs. In Bezug auf unserer Länderempfehlungen sollten die USA weiterhin untergewichtet werden, Europa, Japan und die Emerging Markets zeigen eine aussichtsreichere Bewertung. Voraussetzung für diese Einschätzung ist jedoch, dass es nicht zu einem globalen Handelskrieg kommt.

 

 

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