Eskalierender Handelsstreit USA-China und die Folgen

In Sachen Handelsstreit USA-China überschlagen sich derzeit die Ereignisse. Am 03. April hat US-Präsident Trump konkrete US-Strafzölle auf Importe aus China angedroht, China seinerseits hat wenige Stunden später mit vergleichbaren Ankündigungen reagiert. Und nur zwei Tage später hat Trump nun erneut nachgelegt.

Betroffen von den am 03.04. konkret avisierten US-Zöllen sind chinesische Lieferungen im Umfang von rund 50 Mrd. USD. Das entspricht rund 10 Prozent aller chinesischen Exporte in die USA und 0,4 Prozent des chinesischen Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Ein Großteil der betroffenen chinesischen Produkte dürfte für die USA nicht leicht zu substituieren sein. Der Effekt der Schutzzölle könnte sich daher stärker in der US-Inflation als in einer sinkenden US-Nachfrage nach diesen Importen niederschlagen. Der Export der Produkte dürfte schätzungsweise um etwa ein Drittel sinken, die chinesischen Gesamtexporte in die USA also um 3 bis 4 Prozent. Der Wachstumseffekt auf das chinesische BIP läge damit rechnerisch unter 0,2 Prozent. Da viele der betroffenen Produkte in China nur endgefertigt werden, dürfte der unmittelbare negative Wachstumseffekt auf das chinesische BIP sogar noch niedriger, nämlich nur bei etwa 0,1 Prozent liegen. Es treten allerdings entsprechend negative Wachstumseffekte auch in den südostasiatischen Zulieferländern auf.

Die US-Zölle hätten Wirkungen auch auf amerikanische Inflation: Die betroffenen rund 50 Mrd. USD an Importen aus China entsprächen etwa 0,4% des privaten US-Konsums. Wenn sich diese Güter aufgrund der Zölle durchschnittlich um 10% verteuern, dürfte der Effekt auf die US-Inflation also sehr gering sein und lediglich bei 0,04%-Punkten liegen.

China hat nur wenig später ebenfalls konkrete Strafzölle auf US-Importe in einem Umfang von 50 Mrd. US-Dollar angekündigt. Das entspricht rund einem Drittel aller Produkte, die die USA nach China exportieren, aber nur ¼ Prozent des US-BIP.

Bei den betroffenen Produkten handelt es sich vor allem um Autos und Flugzeuge, sowie um Nahrungsmittel- und Agrarrohstoffe wie Sojabohnen, die in der Viehzucht eingesetzt werden. Vor allem Nahrungsmittel dürften für China leichter und kurzfristiger zu substituieren sein. Zu rechnen ist daher mit stärkeren Mengeneffekten auf die US-Exporte. Nahrungsmittel machen allein fast 15 Prozent aller US-Exporte nach China aus, Autos und Flugzeuge jeweils 10 Prozent. Die gesamten US-Exporte nach China könnten aufgrund der Strafzölle um 10 bis 15 Prozent sinken. Das entspräche aber immer noch weniger als 0,1 Prozent des US-BIP.

Am 05. April hat US-Präsident Trump China nun weitere US-Strafzölle auf chinesische Lieferungen im Umfang von 100 Mrd. USD angedroht. China dürfte bei einer Konkretisierung dieser Zolldrohung vermutlich erneut mit gleicher Münze zurückzahlen.

Die Auswirkungen auf das Wachstum in USA und China wären entsprechend größer. Im Falle der chinesischen Importe aus den USA wären bei einem Volumen von insgesamt 150 Mrd. USD sogar annähernd alle Lieferungen von US-Waren betroffen.

Negative Finanzmarktreaktionen und die Eintrübung von Stimmungsindikatoren können nicht nur in den USA und China, sondern weltweit zu negativen Wachstumseffekten führen. Diese Effekte dürften desto größer sein, je enger die entsprechenden Volkswirtschaften mit der US-Wirtschaft und China verflochten sind, je höher die Exportabhängigkeit der Volkswirtschaften und je enger die Korrelation der Finanzmärkte ist.

Diese indirekten negativen Effekte können durchaus größer sein als die oben beschriebenen direkten Wachstumseffekte. Sie hängen auch stark davon ab, in welchem politischen Umfeld die Zölle verhängt werden und ob eine weitere Ausweitung des Handelskrieges befürchtet wird. Positive Wachstumseffekte durch Substitution der betroffenen Güter sind vereinzelt sicherlich auch möglich (z.B. Begünstigung brasilianischer Sojaexporte nach China), dürften aber insgesamt im Vergleich zu den negativen Wirkungen kaum ins Gewicht fallen.

Entscheidend ist nun, ob sich beide Seiten in den anstehenden Verhandlungsrunden annähern können. Noch sind die angedrohten Zölle nicht in Kraft. Nach den jüngsten Ankündigungen steht für beide Seiten mehr auf dem Spiel, hoffentlich erhöht das auch die Kompromissbereitschaft. Beide Seiten müssen Zugeständnisse machen. Sollte das nicht möglich sein, ist der wirtschaftliche und politische Schaden erheblich.

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Ein Kommentar

Schöner Artikel, diese Fakten kann ich auf diversen Fachseiten im web lesen. Eigentlich erwarte ich hier entsprechende strategische Vorschläge für eine Vermögensverwaltung

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