US-Arbeitsmarkt: Trotz schwacher März-Daten eine erfreuliche Quartalsbilanz, unverändert nur moderate Lohnsteigerungen

In den Vereinigten Staaten lag die Arbeitslosenquote im März den sechsten Monat in Folge auf dem niedrigen Niveau von 4,1 Prozent. Gleichzeitig wuchs die Zahl der Beschäftigten gegenüber Februar allerdings „nur“ um 103.000 Personen, der Beschäftigungszuwachs blieb damit sichtbar hinter den kräftigen Vormonaten zurück. Dennoch kann sich die Arbeitsmarktbilanz für das erste Quartal durchaus sehen lassen. Zum einen entstanden knapp 620.000 neue Stellen, das ist der stärkste Anstieg seit sechs Quartalen. Noch erfreulicher fällt die Bilanz aus, wenn man den öffentlichen Sektor außen vorlässt, da in diesem Bereich zuletzt eher Stellen abgebaut wurden. Die private Wirtschaft hat also zu Jahresbeginn ihre Beschäftigungsdynamik gesteigert, der Blick allein auf die schwächeren März-Daten liefert hier einen falschen Eindruck.

Das Bild eines weiterhin rund laufenden Jobmotors, der vom Dienstleistungssektor und den güterproduzierenden Branchen gleichermaßen angetrieben wird, ergänzt unverändert eine moderate Entwicklung der Löhne. So stiegen laut jüngstem Arbeitsmarktbericht die gezahlten Stundenlöhne um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat, nach einem schwachen Plus von nur 0,1 Prozent im Februar. In Anbetracht der inzwischen seit sieben Jahren anhaltenden Erholung am Arbeitsmarkt fällt dennoch die Steigerung gegenüber März 2017 mit nur 2,7 Prozent recht verhalten aus.

Nach unserer Einschätzung ist die Gefahr gering, dass trotz eines anhaltenden Beschäftigungsaufbaus in den kommenden Monaten die Lohndynamik kräftig zulegt. Gegen den Erfolg von kräftigen Lohnforderungen spricht zum einen der immer noch vorhandene Zustrom von Arbeitskräften aus der so genannten „stillen Reserve“. Zum anderen die weiter voranschreitende Automatisierung, die auch zahlreiche Arbeitsplätze im Servicebereich bedroht. Nicht dass ein falscher Eindruck entsteht – etwas an Tempo werden die Lohnsteigerungen in den kommenden Monaten wohl schon gewinnen. Dennoch rechnen wir im Jahresdurchschnitt nur mit einem Lohnanstieg um rund drei Prozent. Der hieraus resultierende Auftrieb für die Inflation dürfte sich also in Grenzen halten und der Notenbank den nötigen Spielraum geben, ihren moderaten Straffungskurs beizubehalten.

Auch die Quartalsbilanz für die wichtigsten Stimmungsindikatoren gibt kaum Anlass für aufkommenden Pessimismus im Hinblick auf die Konjunktur und den Arbeitsmarkt in den USA. Die ISM-Umfragen zeigen für die Industrie und die Dienstleister jeweils für Q1 einen Mittelwert, der nicht nur oberhalb der vorherigen Quartale, sondern auch nur knapp unterhalb von 60 Punkten liegt. Die Wachstumsschwelle von 50 Punkten wird damit weit überschritten.

Letztendlich rechnen wir auch im weiteren Jahresverlauf mit robustem Schwung am US-Arbeitsmarkt. Dabei liefert vorerst wohl auch noch der güterproduzierende Bereich positive Impulse und nicht nur der „übliche Jobmotor Dienstleistungsbereich“. Dass die protektionistischen Maßnahmen und Drohungen des Präsidenten für eine nachhaltige Trendwende bei der Zahl der Industriebeschäftigten sorgen, ist allerdings sehr fraglich. Derzeit profitiert die Industriebeschäftigung vor allem von einer guten Konjunktur bei den Flugzeugherstellern, der Erholung im Bausektor und in der Ölindustrie.

 

 

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