Deutsche Sparrekorde

Der deutsche Staat schwimmt geradezu im Geld. Im vergangenen Jahr hat sich der Überschuss in den öffentlichen Kassen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes mehr als verdoppelt. Er stieg, in der Abgrenzung der Finanzstatistik, von rund 26 Mrd. Euro im Jahr 2016 auf knapp 62 Mrd. Euro im vergangenen Jahr. Auch wenn die Rechnung auf Basis der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, die für die Maastricht-Kriterien relevant ist, etwas niedriger ausfällt: So gut ging es Bund, Ländern und Gemeinden finanziell schon sehr lange nicht mehr.

Das vergangene Jahr markierte bereits das vierte Jahr in Folge mit einem staatlichen Budgetüberschuss. Damit steht Deutschland im internationalen Vergleich ziemlich alleine da, zumindest unter den größeren Ländern.

Dabei kommen dem Staatshaushalt vor allem zwei Faktoren zugute: Die gute Konjunktur lässt die Steuereinnahmen kräftig sprudeln, im Jahr 2017 stiegen die gesamten öffentlichen Einnahmen dadurch um 5,8 Prozent. Gleichzeitig sorgen die niedrigen Zinsen für eine Dämpfung der Aufwendungen für den Schuldendienst, so dass die öffentlichen Ausgaben 2017 lediglich um 3,1 Prozent zulegten.

Nicht nur der deutsche Staat erzielt Überschüsse, auch die privaten Sektoren haben in den letzten Jahren ihre Verschuldungsquoten abbauen können. Die gesamtwirtschaftliche Finanzierungsrechnung zeigt, dass nicht nur die privaten Haushalte, die traditionell der größte Nettosparer in einer Volkswirtschaft sind, jedes Jahr mehr einnehmen als sie ausgeben. Auch die (nicht-finanziellen) Unternehmen sind in den letzten Jahren zu Netto-Sparern geworden.

Dass die Unternehmen ebenfalls ins Lager der Sparer gewechselt sind, ist dabei nicht ganz unproblematisch. Denn einerseits zeigt es, dass die Investitionsneigung trotz der robusten Konjunktur und gut ausgelasteter Kapazitäten nicht sehr ausgeprägt ist. Andererseits bedeutet es, dass sich im Inland kein Abnehmer mehr für das Sparkapital findet. Denn mit Staat, privaten Haushalten und Unternehmen bilden alle großen volkswirtschaftlichen Sektoren Überschüsse, die gemäß den Prinzipien der Zahlungsbilanz ins Ausland abfließen müssen.

Damit steht Deutschland nicht nur weiterhin wegen seiner hohen Leistungsbilanzüberschüsse unter politischem Druck, es wird auch immer abhängiger von der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung der wichtigsten internationalen Schuldner.

 

 

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