Brexit – Risiken sind verlagert, aber nicht kleiner geworden

Die jüngste Einigung auf eine Übergangsphase nach dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) im Frühjahr nächsten Jahres kann sicherlich als Erfolg in den Brexit-Verhandlungen gewertet werden. Sie verringert das Risiko eines ungeordneten Austritts entscheidend, auch wenn die Gefahr erst dann vollständig gebannt ist, wenn der gesamte Austrittsvertrag unter Dach und Fach ist. Hierzu müssen noch einige Hürden überwunden werden, wie beispielsweise eine Lösung für die komplizierte innerirische Grenzfrage zu finden.

Nach wie vor völlig unklar ist hingegen, wie die Handelsbeziehungen zwischen der EU und Großbritannien nach Ablauf der Übergangsphase aussehen sollen. Die britische Regierung bleibt bislang bei ihrem kategorischen „Nein“ zu einem Verbleib in der Zollunion, womit die Wahrscheinlichkeit für diese „Vernunftlösung“ sinkt. London pocht darauf, eigene Freihandelsabkommen abschließen zu dürfen, was im Rahmen der Zollunion nicht möglich wäre. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass London und Brüssel sich „nur“ auf ein Freihandelsabkommen einigen können. Die Verhandlungen könnten aber erst nach dem EU-Austritt der Briten beginnen. Somit bleibt die Unsicherheit, wie die künftigen Handelsbeziehungen im Detail aussehen werden, noch lange Zeit hoch. Und es bleibt das Risiko, ob – zumindest rechtzeitig vor Ablauf der Übergangsfrist – überhaupt ein Abkommen geschlossen wird.

Für Brexit-Optimismus ist es also viel zu früh. Vielmehr beginnt sich das Risikoprofil des Brexit zu verschieben: Die mittelfristigen Risiken sinken, die längerfristigen steigen. Dies könnte der britischen Wirtschaft nachhaltig schaden. Bereits jetzt wird das Wirtschaftswachstum durch den Brexit gebremst: Im Kreis der G7-Staaten ist Großbritannien vom Wachstumsspitzenreiter zum Schlusslicht abgerutscht. Der Brexit kostet die britische Wirtschaft schon jetzt etwa einen Prozentpunkt Wachstum

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Ein Kommentar

Wichtiger Beitrag zur Abschätzung des Brexit.

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