Trump stellt kurzzeitig den globalen Aluminiummarkt auf den Kopf

 

Der Aluminiumpreis entwickelte sich im ersten Quartal diesen Jahres trotz der verhängten Einfuhrzölle der USA recht unauffällig. Lediglich das Preisniveau in den USA erfuhr eine leichte Niveauverschiebung.

Dies begann sich aber Anfang April schlagartig zu verändern: Die US-Administration verhängte Sanktionen gegen russische Unternehmen und Oligarchen wegen ihrer Rolle im russischen Machtgefüge. Unter anderem geht es hier um den Vorwurf, Russland habe sich in die US-Präsidentschaftswahl 2016 eingemischt. Mit Oleg Deripaska stand auch der größte Anteilseigner der En+ Group plc auf der Liste. Da der En+ Group in etwa die Hälfte der Anteile des russischen Aluminiumgiganten Rusal gehört, könnte eine Umsetzung der US-Sanktionen den globalen Aluminiummarkt erheblich beeinflussen. Der russische Aluminiumproduzent ist außerhalb Chinas der größte weltweit und liefert etwa 700 Tausend Tonnen Aluminium in die USA. Sollte dieses Material fehlen, wären die US-Produzenten auf absehbare Zeit nicht in der Lage, diese Lücke zu schließen. Auch steigende Importe aus anderen Ländern könnten das „Einfuhrloch“nicht stopfen. Daraufhin ist der Weltmarktpreis für Aluminium zwischenzeitlich auf über 2.500 US-Dollar je Tonne (+28%) gestiegen. Auch die amerikanischen Aluminiumproduzenten konnten im Gegensatz zu ihren russischen Pendants deutlich profitieren.

Präsident Trump beabsichtigt mit seiner Handelspolitik die heimische Aluminiumindustrie zu schützen. Gleichzeitig ist er sich auch bewusst, dass ein zu hoher Aluminiumpreis besonders zu Lasten der Unternehmen des US-Automobil- und Luftfahrtsektors geht. Daher verwundert es nicht, dass sich die US-Administration ein Hintertürchen offen gelassen hat. So signalisierte die US-Regierung schon frühzeitig, dass die Sanktionen gelockert werden könnten, wenn Deripaska seinen Einfluss an der En+ Group und damit an Rusal deutlich reduziert. Mittlerweile kündigte der russische Oligarch an, dass er grundsätzlich bereit sei, seine Anteile (Einfluss) zu reduzieren. Auch Rusal hat unterdessen berichtet, dass Deripaska die Kontrolle an En+ reduzieren wird und er sogar seine Funktion als Vorstandsvorsitzender abgeben werde. Der Aluminiumpreis gab daraufhin kräftig nach und fiel wieder auf aktuell 2.200 US-Dollar (-14%).

Dies zeigt unseres Erachtens einmal mehr den Verhandlungsstil des US-Präsidenten, Donald Trump. Mit einer maximalen und den Markt zum Teil auf den Kopf stellenden Forderung starten, um dann im Anschluss (auch aus Eigeninteresse) wieder etwas nachzugeben, um einen Kompromiss („Deal“) möglich zu machen. Obwohl noch nicht klar ist, ob die eingeleiteten Schritte des Oligarchen zu einer sofortigen Lockerung der Sanktionen führen, gehen wir im Aluminiumbereich davon aus, dass bald ein „Deal“ zustande kommt. Daher passen wir unsere Aluminiumprognose vorerst nicht an. Kurzfristig halten wir das Leichtmetall bei 2.200 USD je Tonne für fair bewertet. Mit Blick auf das Jahresende billigen wir dem Industriemetall sogar ein weiteres Steigerungspotenzial von acht Prozent zu.

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