Der US-Arbeitsmarkt hält Tritt, ansonsten wenig Überraschendes

Der April-Bericht zeigt, dass in den Vereinigten Staaten die Arbeitslosigkeit weiter auf dem Rückzug ist: Nachdem die Arbeitslosenquote seit letztem Oktober bei 4,1 Prozent verharrte, ist sie zuletzt immerhin auf 3,9 Prozent gesunken. Damit fiel der Frühjahrsschubs bei der Arbeitslosenquote zwar etwas stärker aus als erwartet, letztendlich ist dies aber keine allzu große Überraschung. Immerhin ist in den ersten vier Monaten dieses Jahres die Zahl der Beschäftigten bereits um knapp 800.000 Personen gestiegen. Die Tatsache, dass der April-Zuwachs hinter den Markterwartungen zurückblieb, kann deshalb nur auf den ersten Blick eine leichte Enttäuschung hervorrufen. Darüber hinaus wurde der zunächst gemeldete schwache März-Wert mit dem jüngsten Bericht noch nach oben revidiert.

Der Blick auf die Details zeigt, dass der US-Arbeitsmarkt nicht nur sein Tempo gehalten hat, sondern dass die Beschäftigungsdynamik im bisherigen Jahresverlauf sogar die des Vorjahreszeitraums noch leicht übertrifft. Dies liegt vor allem daran, dass die neuen Arbeitsplätze in den letzten Monaten nicht nur im Dienstleistungssektor entstanden sind, sondern auch in der Industrie und in der Bauwirtschaft. Der Jobmotor erhält also Schub von nahezu allen Branchen. Der Lohnauftrieb ist dennoch vergleichsweise moderat und gibt der US-Notenbank den Spielraum, ihren moderaten Straffungskurs beizubehalten.

Das robuste konjunkturelle Umfeld lässt eigentlich einen geradezu strahlenden Ausblick für den US-Arbeitsmarkt erwarten. Dass dem nicht ganz so ist, liegt vor allem daran, dass sich der Aufschwung bei der Beschäftigung bereits im achten Jahr befindet. Gute Arbeitskräfte werden immer mehr zu einem knappen Gut! Nicht erst bei den jüngsten Stimmungsumfragen in der Wirtschaft verwiesen viele Unternehmer auf die zunehmende Schwierigkeit, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden. Dennoch rechnen wir weiterhin in den kommenden Monaten mit einem soliden Stellenplus, dass dann auch weiterhin ebenfalls vom produzierenden Sektor mitgetragen wird.

Die Renaissance der US-Industrie als Arbeitgeber sollte aber nicht überbewertet werden. Denn trotz der seit Ende 2016 wieder aufwärts gerichteten Entwicklung bei der Beschäftigung, liegt der Anteil der Industriebeschäftigten an der gesamten Beschäftigung immer noch nahezu unverändert auf einem historisch niedrigen Niveau. Mit nur knapp 8,5 Prozent ist der Anteil erst im Juli 2017 auf sein bisheriges Tief gefallen. Seitdem geht es nur sehr zögerlich aufwärts, ein schwacher Anstieg zeigt sich nur in der zweiten Nachkommastelle. Vor dem Ausbruch der letzten Finanz- und Wirtschaftskrise arbeitete in den USA immerhin noch jeder Zehnte in der Industrie. Auch wenn sich bereits seit Ende der 90er Jahre die Zahl der Industriebeschäftigten in einem stetigen Abwärtstrend befindet.

Vor allem wegen der guten Auftragslage und der damit einhergehenden prächtigen Stimmungslage dürfte die Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe auch in den kommenden Monaten weiter ansteigen. Dennoch wird die Bedeutung der Industriebetriebe als Arbeitsgeber nur leicht steigen, selbst wenn die Beschäftigungsdynamik wie in den letzten beiden Quartalen höher ausfällt als im Dienstleistungsbereich. Denn rund 12,7 Millionen Industriebeschäftigten steht immerhin die stattliche Zahl von 105,5 Millionen Beschäftigten im Servicebereich gegenüber.

 

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