Deutscher Wohnungsmarkt: Preisanstieg setzt sich im ersten Quartal 2018 mit hohem Tempo fort

Wie lange geht das noch gut? Die bereits kräftige Preisdynamik am Wohnungsmarkt hat im ersten Quartal weiter Fahrt aufgenommen. Nach den gerade vom Verband deutscher Pfandbriefbanken veröffentlichten Preisindizes hat sich Wohneigentum – Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen – in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres landesweit um 1,6 Prozent verteuert. Bei den von Anlegern nachgefragten kompletten Mehrfamilienhäusern waren es 2,6 Prozent. Damit zogen die Preise gegenüber dem Vorjahresquartal um 7,4 Prozent beziehungsweise 10,9 Prozent an. Beides sind in der Historie der bis 2003 zurückreichenden Indexreihen Rekordwerte: So lag das Jahresplus bei Wohneigentum erstmals über 7 Prozent. Bei Mehrfamilienhäusern stieg die jährliche Wachstumsrate erstmalig in den zweistelligen Bereich. In den sieben größten deutschen Städten stiegen die Preise noch stärker. Auf Jahresbasis verteuerte sich hier Wohneigentum im Durchschnitt um 10,4 Prozent, die Mehrfamilienhaus-Preise legten um 13,7 Prozent zu. Im Gegensatz zu den landesweiten Preisen lag das Plus allerdings etwas unter dem Maximum von 2017.

Wesentliche Preistreiber sind das knappe Wohnungsangebot und das nach wie vor solide wirtschaftliche Umfeld mit einer von Höchststand zu Höchststand eilenden Beschäftigung. Dazu kommen die niedrigen Zinsen, die für günstige Finanzierungskonditionen und ein anhaltend beschränktes Anlagespektrum der Investoren sorgen. Allerdings haben sich die Zinsen inzwischen ein wenig vom bisherigen Tiefstand abgesetzt, sodass die Erschwinglichkeit von den steigenden Preisen wie auch den leicht steigenden Zinsen in die Zange genommen wird.

Doch warum bremst die sukzessive verschlechterte Erschwinglichkeit den Preisanstieg nicht ab? Eine mögliche Erklärung ist die Sorge der Käufer, dass sich die Einstiegsbedingungen am Immobilienmarkt spürbar eintrüben könnten. Denn weiter steigende Preise und anziehende Zinsen verteuern nicht nur den Immobilienkauf, sie können ihn auch unmöglich machen. In den Metropolen scheint dagegen ein gewisser Bremseffekt angekommen zu sein, weil sich neben den schon sehr hohen Preisen auch niedrige, weiter sinkende Mietrenditen dämpfend auswirken.

Mit dem kräftigen Preisplus im ersten Quartal haben sich die Immobilienpreise erneut etwas von der fundamentalen Basis entfernt, denn sie steigen schneller als Mieten und Einkommen. Beim landesweiten Preisniveau für Wohneigentum hat sich mit einem Preisanstieg von nicht ganz 40 Prozent seit 2010 aber keine Blase gebildet. Auch das landesweite Preisplus von Mehrfamilienhäusern hält sich mit knapp 60 Prozent noch im Rahmen. Auf die sieben größten Städte trifft das mit einem Preisanstieg von 80 Prozent für Wohneigentum und 110 Prozent für Mehrfamilienhäuser aber nicht mehr zu. Ein Anlass für eine größere Preiskorrektur ist aber auch hier nicht in Sicht. Das Risiko wächst aber, denn zu den hohen Preisen sind leicht anziehende Zinsen und trübere wirtschaftliche Aussichten als Belastungsfaktoren hinzugekommen.

 

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 5.00

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *