„Big in Japan“ – Was spricht für den Topix

  • Die Konjunktur in Japan erholt sich weiter, die Gewinnentwicklung der Unternehmen verläuft solide.
  • Strukturell geht es bei den Unternehmen hinsichtlich Corporate Governance, „Financial Engineering“ (u.a. Ausschüttungspolitik) und M&A-Aktivitäten voran. Daneben ist der Aktienmarkt attraktiv bewertet.
  • Der Topix sollte bis Jahresende auf 1.850 Punkte steigen. Eine Outperformance im Vergleich zu anderen Märkten bedeutet diese Prognose aber nicht. Das größte Risiko ist eine Eskalation eines Handelskriegs zwischen den USA und China.

Die Konjunktur in Japan erholt sich weiter. Dies ist u.a. sichtbar am Arbeitsmarkt, dort ist die Arbeitslosenquote jüngst unter 2,5% gesunken.
Dank guter heimischer Konjunkturentwicklung sowie der stabilen Auslandsnachfrage sollte die Gewinnentwicklung am japanischen Aktienmarkt unverändert sehr solide ausfallen. Wir erwarten, dass die Unternehmensgewinne im Topix in diesem Jahr um gut acht Prozent gegenüber dem Vorjahr ansteigen werden. Im kommenden Jahr sollten sieben Prozent Zuwachs machbar sein. Ein Risiko für die Gewinnentwicklung ist eine Intensivierung des Handelskonfliktes zwischen den USA und China. Japan wäre wegen der geographischen „Sandwich“-Position vermutlich stärker betroffen als andere exportstarke Länder, z.B. Deutschland. Zwei negative Wirkungsmechanismen wären hier denkbar: zum einen könnte der Yen als „sicherer Hafen“ aufwerten, was die Wettbewerbssituation japanischer Unternehmen auf ausländischen Märkten verschlechtern würde. Zum anderen würde eine Schwächung sowohl der chinesischen als auch der US-Wirtschaft eine unmittelbare Nachfrageschwäche nach japanischen Produkten zur Folge haben. Dies würde die japanischen Branchen unterschiedlich stark betreffen, der Technologiesektor würde vermutlich jedoch kurzfristig überdurchschnittlich leiden. Beispiel: Steigende Preise durch Zölle und wirtschaftlicher Unsicherheit würden sich unmittelbar in den Lieferketten von Smartphones und artverwandter Produkte negativ bemerkbar machen, wenngleich die strukturelle Nachfrage in diesem Segment eine unverändert positive Entwicklung aufweist. Auch Unternehmen aus anderen Sektoren, die überproportional viel Geschäft in China betreiben, könnten in diesem (Neben-)Szenario eines sich intensivierenden Handelskriegs Einbußen erleiden.

Die im Vergleich zu anderen internationalen Aktienindizes überdurchschnittliche Korrektur – seit Ende Januar gab der Topix in der Spitze um knapp 14% nach – hat die Bewertung des Topix, trotz der seit einigen Wochen wieder anziehenden Kurse, gedrückt. Aktuell steht ein für 2019 geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13,4 zu Buche, während der Durchschnitt der vergangenen 15 Jahre bei 14,7 lag. Die rechnerische Unterbewertung beträgt somit rund neun Prozent.
Ausblick: Nach zahlreichen betriebswirtschaftlichen Optimierungen, aber auch Reformen hinsichtlich der Coporate Governance (Stichwort: Familienclans, Konglomerate) und der weiteren Finanzmarktöffnung (u.a. höherer Abdeckungsgrad durch Finanzanalysten und Publikation englischer Unternehmensberichte), haben sich die Profitabilität, gemessen an Größen wie der Eigenkapitalrendite oder den Gewinnmargen, aber auch das Image der japanischen Unternehmen, in den vergangenen Jahren nachhaltig verbessert. Das – international immer noch überdurchschnittlich vorhandene – Überschusskapital japanischer Firmen wird zunehmend in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen an Aktionäre zurückgeführt oder für Fusionen und Übernahmen verwendet. Zudem werden unterbewertete Tochterfirmen von den Konglomeraten aufgekauft (z.B. PanaHome durch Panasonic). Dies sind keine Selbstverständlichkeiten für japanische Unternehmen, schaut man in frühere Jahrzehnte zurück. Zusätzlich unterstützt die sehr entgegenkommende Politik der japanischen Notenbank die Konzerne. Daneben ist der japanische Aktienmarkt attraktiv bewertet. Dies verspricht auch zukünftig Gutes für den japanischen Aktienmarkt, sodass wir davon ausgehen, dass der Topix seinen Aufwärtstrend in Richtung unseres Kursziels von 1.850 Punkten per Jahresende 2018 (plus fünf Prozent Aufwärtspotenzial) bald fortsetzen wird. Eine Outperformance im Vergleich zu anderen Märkten bedeutet diese Prognose allerdings nicht. Das größte Risiko für den japanischen Aktienmarkt bleibt dabei eine Eskalation der Vielzahl geopolitischer Krisenherde.

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