Fed-Minutes: Zinsschritt im Juni

» Die US-Notenbank will die Leitzinsen „bald“ (im Juni) anheben – unter den Marktakteuren wäre dies jedoch keine Überraschung

» Wohl keine Beschleunigung des Tempos der Zinserhöhungen, auch wenn die Inflation eine Zeit lang oberhalb von 2% tendiert

» Die US-Notenbank hält an ihrem graduellen Erhöhungskurs fest – der Fed-Funds-Korridor dürfte gegen Ende 2018 bei 2% bis 2,25% liegen

Gestern Abend wurde das Protokoll der jüngsten Sitzung des geldpolitischen Rates der US-Notenbank (Minutes) vom 2. Mai veröffentlicht. Für viele Marktteilnehmer war interessant, wie intensiv im geldpolitischen Entscheidungsgremium der Fed über mögliche Inflationsrisiken diskutiert wurde und ob die Währungshüter im Falle eines steigenden Preisdrucks das Tempo ihrer Leitzinsanhebungen beschleunigen werden. Zusätzlich wurde am Finanzmarkt darüber spekuliert, ob die Fed-Oberen die Verflachung der Renditestrukturkurve thematisiert haben. Nicht zuletzt wurden die Minutes nach Hinweisen durchsucht, ob die US-Notenbank im Juni die Leitzinsen erneut anheben wird.

So waren auch die meisten FOMC-Mitglieder der Ansicht, dass ein weiterer Zins-schritt schon bald angebracht sei, sollten die Konjunkturdaten den derzeitigen wirtschaftlichen Ausblick im Großen und Ganzen bestätigen. Was die Entwicklung der Inflationsrate betrifft, würde laut Minutes eine vorübergehende Periode von Inflationsraten oberhalb von 2% im Einklang mit dem symmetrischen Inflationsziel des Ausschusses stehen. Zudem könnte dies hilfreich sein, die längerfristigen Inflationserwartungen zu verankern. Außerdem hat das Protokoll gezeigt, dass die Währungshüter über die Verflachung der Renditestrukturkurve diskutiert haben. Die Währungshüter waren sich jedoch nicht über die Folgen dieser Entwicklung einig. Einige Währungshüter betonten, dass die Zinsstrukturkurve inzwischen ein weniger verlässlicher Vorbote für die zukünftige wirtschaftliche Dynamik sei. Andere wiederum gaben zu bedenken, dass eine invertierte Zinsstrukturkurve in der Vergangenheit auf ein erhöhtes Rezessionsrisiko hingedeutet habe.

Obwohl die Minutes mehr oder weniger explizit eine Leitzinserhöhung für Juni in Aussicht stellen, kann das Protokoll dennoch als rhetorisch moderat interpretiert werden. Insbesondere die Aussicht, dass die Fed das Tempo bei einem weiteren Anstieg der Inflation nicht beschleunigen werde, wurde vom Finanzmarkt als dovish interpretiert. Wir bleiben bei unserer schon seit längerem bestehenden Meinung und rechnen mit einer erneuten Erhöhung des Zinskorridors im Juni. Insgesamt zeigt das Protokoll, dass die US-Notenbank wohl an ihrem graduellen geldpolitischen Kurs festhalten werde. Die in den Fed-Funds-Futures implizierten Wahrscheinlichkeiten für mindestens zwei weitere Leitzinsanhebungen in diesem Jahr liegen bei 48%. Drei weitere oder mehr Zinsschritte werden mit einer Wahrscheinlichkeit von 52% gesehen. Aufgrund der Wahlen zum Repräsentantenhaus im November und einer lediglich moderaten Inflationsentwicklung in den kommenden Monaten rechnen wir nach der Erhöhung im Juni mit einem weiteren Zinsschritt in diesem Jahr.

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