Türkische Zentralbank reagiert

» Notenbank hebt Referenzzinssatz für Notfallliquidität um 300 Bp auf 16,5% an. Die Lira konnte im Anschluss an die Ankündigung profitieren.

» Auch politische Vertreter, darunter Präsident Erdogan und Premier Yildirim, versuchten gestern, dem Ausverkauf der Lira entgegenzuwirken.

» Eine nachhaltige Stabilisierung konnte die Zentralbank bislang aber nicht erreichen. Weitere Schritte könnten notwendig werden.

Lange hat sich die türkische Zentralbank Zeit gelassen, gestern reagierte sie im Rahmen einer Notfallsitzung dann doch auf den in den vergangenen Wochen zu beobachtenden Einbruch ihrer Landeswährung. Rund 15% hatte die Lira gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung allein seit Anfang Mai verloren. Gegenüber dem US-Dollar lag das Minus im Vorfeld der Sitzung sogar bei 18%. Mit ihrer Entscheidung, den Referenzzinssatz für Notfallliquidität, derzeit faktisch der Leitzins, um 300 Bp auf 16,5% anzuheben, konnte die Notenbank ihrer Landeswährung gestern Abend spürbare Kursgewinne in der Größenordnung von bis zu 6% bescheren.

Nicht nur die Zentralbank, auch politische Vertreter äußerten sich jüngst zu Wort, um der Lira Rückendeckung zu geben. Präsident Erdogan ließ wissen, dass sich die Regierung nach den Wahlen am 24. Juni an die weltweit vorherrschenden Richtlinien für die Geldpolitik halten werde. Ein Sprecher des Präsidenten betonte, dass weitere Schritte zur Stärkung der Lira ergriffen würden, und Premierminister Yildirim hob hervor, dass die Türkei auch künftig ein offener Markt bleibe. Damit versuchen die politischen Vertreter offenbar, den Eindrücken der vergangenen Wochen entgegenzutreten.

Politik und Zentralbank zogen in den letzten Stunden zwar an einem Strang. Für eine nachhaltige Erholung der Lira scheint dies aber offensichtlich nicht zu genügen. So hat die Landeswährung bereits heute Morgen rund die Hälfte der gestrigen Gewinne wieder eingebüßt. Dabei halten einige Beobachter die jüngste Zinserhöhung für unzureichend. Wohl entscheidender als das tatsächliche Zinsniveau dürfte mittlerweile jedoch die Frage sein, wie es um die Unabhängigkeit der Zentralbank bestellt ist. Um ein klares Signal zugunsten einer vorrangig auf Preisniveaustabilität ausgerichteten Geldpolitik abzuliefern, hat das Ergebnis der gestrigen Sitzung offenbar nicht ausgereicht. Zudem herrscht nach den Wahlkampfäußerungen von Staatschef Erdogan weiter eine erhebliche Unsicherheit darüber, wie es nach den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in der Türkei weitergehen wird.

Für die türkische Zentralbank muss es vor allem darum gehen, Vertrauen zurückzugewinnen. Einen ersten Schritt in diese Richtung hat sie gestern getan. Am 7. Juni steht die nächste planmäßige Sitzung der Notenbank an. Sollte sich die allgemein vorherrschende Stimmung gegenüber Schwellenländerwährungen nicht zeitnah aufhellen, dürften weitere vertrauensbildende Maßnahmen notwendig werden.

 

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