DAX im Griff der Politik – nicht der Wirtschaft

  • Unsere erstmalig veröffentlichten Prognosen für DAX und Euro Stoxx 50 per Jahresmitte 2019 lauten auf 14.200 Punkte und 3.900 Punkte. Diese Annahme basiert auf unserem volkswirtschaftlichen und politischen Basisszenario „Italien löst keine EWU-Schuldenkrise 2.0 aus“.
  • Unternehmensseitig sollten steigende Gewinne, ein solides Dividendenwachstum und eine hohe Kapitalrentabilität den seit 2009 laufenden Bullenmarkt weiter antreiben. Auf der Makroseite helfen die synchron laufende Weltwirtschaft sowie der Mix aus niedriger Inflation und Zinsen.
  • Die größten Risiken sind unverändert politischer Natur – bisher erwarten wir jedoch keine signifikanten Bremsspuren für Konjunktur und Aktienmärkte. Anleger sollten daher investiert bleiben und/oder die aktuelle Kursschwäche zum Kauf nutzen.

Bis zur Jahresmitte 2019 erwarten wir einen Anstieg des DAX auf 14.200 Punkte (Euro Stoxx 50: 3.900 Punkte), also um rund elf und 13 Prozent. Der Haupttreiber für diese Entwicklung sind die deutlich wachsenden Unternehmensgewinne.

Zwar verschlechtern sich die Rahmenbedingungen (steigende politische Unsicherheit drückt Investitionsklima, EZB unternimmt die erste Leitzinsanhebung im Sommer 2019, Risiko Italien), dank einer unverändert dynamisch wachsenden Weltkonjunktur (DZ-Prognose je 3,6% reales Wirtschaftswachstum in 2018 und 2019) dürften die Unternehmensgewinne aber erneut deutlich anziehen.
Bei den exportstarken Gesellschaften des DAX und Euro Stoxx 50 sollten die Unternehmensgewinne 2018/19 um addierte 14 bis 18% wachsen. Das Gewinnwachstum sollte sich in Kursavancen ähnlichen Ausmaßes niederschlagen.

Die Bewertung bleibt in unserem Szenario niedrig. Sollte der DAX in einem Jahr bei 14.200 Punkten stehen, ergäbe sich auf Basis der aktuellen Gewinnschätzungen für 2019 ein KGV von 13,3 und eines von 12,3 auf Basis der 2020er Schätzungen – wenngleich die zweitgenannten Schätzungen per Stand heute noch als unsicher gelten. Dies stellt einen leichten Bewertungsabschlag im langfristigen Vergleich (KGV 13,1) dar. In Anbetracht nahender Rekordgewinne im laufenden Aktienmarktzyklus scheint diese konservative Herangehensweise gerechtfertigt.
Der Euro Stoxx 50 sollte sich ähnlich gut entwickeln (Gewichtung italienischer Titel 4,3%), wenngleich der amerikanische S&P 500 Index aktuell die beste Ausgangslage unter den großen internationalen Indizes hat (Gründe: stabilere US-Konjunktur, deutlich höhere Gewichtung von Ertragsbringern aus den Bereichen Banken und Technologie).

Ein Joker für die Beschleunigung des globalen Gewinnwachstums an den Aktienmärkten, der unseres Erachtens von den Märkten unterschätzt wird, ist der hohe Erdölpreis. Bleibt dieser über längere Zeit hinweg auf dem aktuellen Niveau, hilft dies den Aktienindizes per Saldo deutlich, weil dort das Gewicht an Profiteuren anziehender Ölpreise (z.B. Energietitel) das der Verlierer (z.B. Einzelhandel- und einige Industrietitel) deutlich überwiegt. Dies gilt insbesondere für die Indizes S&P 500, Stoxx 600 und Euro Stoxx 50 – weniger für den DAX.

Die 10jährigen Bundrenditen bleiben in unserer Zinsprognose mit Blick auf die kommenden zwölf Monaten unter einem Prozent. Auch erwarten wir, dass auf Sicht der kommenden Jahre die Renditen im Euroraum zwar graduell ansteigen werden, allerdings sollte das Renditeniveau von zwei Prozent dabei zunächst nicht überschritten werden, u.a. dank schwacher Inflationsentwicklung und der anhaltenden Reinvestitionen fälliger Papiere durch die EZB. Es ist daher nicht davon auszugehen, dass Anleger in absehbarer Zukunft dem Aktienmarkt den Rücken kehren und in Richtung der Anleihenmärkte abwandern werden.

Auch die US-Renditen ziehen trotz weiterer Leitzinsanhebungen seitens der Fed kaum noch an und bleiben historisch gesehen mit einem Renditeniveau um drei Prozent niedrig. Die Beziehung zwischen steigenden US-Renditen und Aktienkursen ist kompliziert und größtenteils abhängig vom Einzelfall. Basierend auf Erfahrungswerten der vergangenen 30 Jahre gehen wir davon aus, dass sich ein genereller Druck auf die Aktienmärkte erst bei einem US-Renditeniveau von fünf Prozent oder mehr entfalten sollte (vgl. Studie „Zinssorgen übertrieben“ vom 8. Februar).

Die größten Risiken sind unverändert politischer Natur. Indizien für Finanzmarktrisiken infolge überbewerteter Assetmärkte (2000 – Aktien, 2007 – US-Immobilien) sehen wir derzeit nicht. Wenngleich auf der Weltbühne (nicht jedoch in Italien) Entspannungssignale gegenüber der Situation im Februar/März eingetreten sind und die Zitterpartie um drohende Handelssanktionen zunächst beendet scheint, können sich diese Konflikte ebenso wie einige andere (u.a. Iran, Nordkorea) durchaus wieder als Störfaktoren entfalten. Per Saldo dürfte dadurch das Investorenklima belastet werden. Allerdings erwarten wir keine signifikanten Bremsspuren für Konjunktur und Aktienmärkte.

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