Steilerer Zinspfad der Fed nach dem „Trial-and-Error“-Konzept

Die Fed hat gestern Abend den geldpolitischen Kurs der vergangenen Monate fortgesetzt und die Leitzinsen um 25 Basispunkte angehoben. Daneben wurden die Erwartungen über den zukünftigen Zinspfad nach oben angepasst. Die US-Währungshüter gehen im Median davon aus, dass die Fed die Leitzinsen im weiteren Verlauf dieses Jahres noch zweimal anheben wird. Im kommenden Jahr dürften insgesamt drei Zinsanhebungen erfolgen. Damit hat sich der allgemeine Tenor der Fed in Richtung einer leicht restriktiveren Geldpolitik verschoben. Die Wachstums- und Inflationsprojektionen der einzelnen Währungshüter spiegeln eine zuversichtliche Entwicklung der konjunkturellen Dynamik wider, während die Inflationsrate bei nur leicht oberhalb von 2% weiterhin gemäßigt ausfallen sollte. Dieser Entscheid wurde einstimmig getroffen.

Im Großen und Ganzen hat die US-Notenbank unsere Meinung bestätigt, dass die Leitzinsen weiterhin in Richtung eines neutralen Niveaus angepasst werden, wenn wir auch bisher von einem vorsichtigeren Kurs ausgegangen waren. Außerdem hat die Fed die Forward Guidance verändert sowie eine technische Anpassung bei den Leitzinsen vorgenommen. Der Zinssatz, den die Fed für die Überschussreserven zahlt (IOER), liegt zukünftig immer fünf Basispunkte unterhalb der oberen Bandbreite des Zinskorridors. Nicht zuletzt gab der Fed-Vorsitzende bekannt, dass die Notenbank ab dem kommenden Jahr nach jedem Treffen des FOMC-Rates eine Pressekonferenz abhalten wird.

Der Fokus der Fed ist nun eindeutig darauf gerichtet, den Währungshütern mehr Flexibilität bezüglich des weiteren geldpolitischen Vorgehens zu ermöglichen. Wird ab dem kommenden Jahr die Anzahl der Pressekonferenzen verdoppelt, erhöht sich auch entsprechend die Anzahl der Optionen eine Leitzinsanpassung vorzunehmen. Dass die Forward-Guidance gestrichen wurde, zielt ebenfalls darauf ab, die Manövrierfähigkeit der Währungshüter zu erhöhen. Die Fed erhält mehr geldpolitischen Spielraum, dies könnte jedoch zu Lasten der Transparenz und Vorhersehbarkeit gehen. Außerdem scheint die weitere geldpolitische Ausrichtung mehr und mehr einem „Trial-and-Error“-Konzept zu folgen. So lässt sich der Eindruck gewinnen, dass die Fed die Leitzinsen in den kommenden Monaten wohl langsam und graduell erhöhen wird. Während dieses Prozesses wird die US-Notenbank die wirtschaftliche Entwicklung genau im Auge behalten und ihre weiteren Entscheidungen treffen. Damit wird unseres Erachtens der zukünftige Zinspfad der US-Notenbank auf absehbare Zeit deutlich stärker von den Fundamentaldaten abhängen als ohnehin schon in der Vergangenheit. Hierdurch könnte sich die Volatilität an den Finanzmärkten erhöhen.

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