EZB-Geldpolitik bis Sommer 2019 auf Autopilot

Die europäischen Währungshüter haben bei ihrem heutigen Zusammentreffen beschlossen, das Anleiheankaufprogramm (APP) bis zum Ende des Jahres zu verlängern. Sollte sich die Inflation in die von der Notenbank gewünschten Richtung entwickeln, wird das Volumen der monatlichen Anleihekäufe (netto neu) ab Oktober auf 15 Mrd. Euro vermindert. Unter den genannten Voraussetzungen würden die Nettoneukäufe dann Ende Dezember beendet werden. Um unerwünschten Zinserhöhungsspekulationen zu begegnen, hat die EZB ihre Forward Guidance für den Leitzinsausblick grundlegend adjustiert. So gehen die Währungshüter nunmehr davon aus, dass die Leitzinsen zumindest bis über den Sommer 2019 unverändert bleiben werden. Ungewöhnlich ist in diesem Zusammenhang, dass sich die EZB für einen solch langen Zeitraum festlegt. Dies wurde von den Marktakteuren als „dovishes“ Signal interpretiert und der Bund-Future hat mit Kursgewinnen reagiert. Aus der Forward Guidance selbst lässt sich nicht sicher ableiten, inwieweit die EZB eine Zinserhöhung für Herbst 2019 oder sogar noch zu einem späteren Zeitpunkt erwägen „könnte“.

Ungeachtet der zuletzt schwächeren europäischen Konjunkturdaten bleibt die EZB hinsichtlich der Wachstumsperspektiven zuversichtlich. Dies spiegelt sich darin wider, dass die BIP-Projektionen für die Zeithorizonte 2019 / 2020 unverändert geblieben sind. Die Risiken für den Konjunkturausblick wird von den Währungshütern weiterhin als ausgeglichen betrachtet. Allerdings bereitet den Notenbank-Oberen der zunehmende Protektionismus Kopfzerbrechen. Hervorzuheben ist, dass die EZB-Stabsmitarbeiter ihren Ausblick für die Teuerungsentwicklung signifikant nach oben revidiert haben. Unter dem Eindruck eines zuletzt gestiegenen Rohölpreises wurde die Inflationsprojektion für 2018 und 2019 auf 1,7% angehoben.

Auch wenn die EZB nunmehr das Ende der monatlichen Anleihekäufe (netto neu) besiegelt hat, bleibt die EZB-Geldpolitik bis auf weiteres äußerst expansiv. In diesem Zusammenhang kommt den Reinvestitionen im APP-Portfolio fälliger Wertpapiere eine wachsende Bedeutung zu. Dies hatte Draghi auch bereits bei den zurückliegenden Ratssitzungen stets hervorgehoben. Zur Sicherstellung der günstigen Finanzierungsbedingungen werden die Reinvestitionen noch für einen ausgedehnten Zeitraum fortgeführt („…for an extended period…“). Solange sich an den fundamentalen Rahmenbedingungen für die Eurozone nichts Grundlegendes ändert, dürften die EZB-Ratssitzungen in den kommenden Monaten eher langweilig werden. Bis auf weiteres steht die EZB-Geldpolitik auf Autopilot.

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