Aktienmarkt: Die deutschen Marathon-AGs

Am Aktienmarkt auf das, wie der Amerikaner sagt, „disaster du jour“ zu setzen, ist bei Anlegern beliebt. Im Erfolgsfall winken hohe Erträge. Ohne spezielle spezifische Unternehmens- und Branchenkenntnisse bleiben solche Investitionen (z.B. Turnaround bei GE) oberflächliche Wetten, die aufgehen können oder auch nicht. Auch ziehen häufig mehr Jahre als geplant ins Land, bevor der „Investment Case“ aufgeht – falls überhaupt. Beispiele der letzten Jahre sind in den USA z.B. bei Mall- und Kaufhausaktien zu beobachten (u.a. Sears) oder hierzulande bei Turnaroundspekulationen auf deutsche Bankentitel. Anleger, die sich in solche Sonderthemen „verlieben“ und ihre Investitionen mit entsprechender finanzieller Feuerkraft unterlegen, verlieren kostbare Zeit. Während dieser steigen die Märkte immer weiter an (die historische Basisrate im DAX liegt bei rund acht Prozent), so dass sich die Opportunitätskosten in Form entgangener Gewinne munter aufzinsen. Nicht nur Anleger, die Rendite „machen müssen“ (z.B. Pensionskassen, Fonds mit Benchmark) können sich dies nicht erlauben.

Langfristig orientierte Anleger sollten stattdessen schwerpunktmäßig auf Unternehmen setzen, die in der Vergangenheit bereits vieles richtig gemacht haben und dies durch ihren heutigen „Trainingsstand“ auch beweisen können. Wenn zudem der Preis stimmt, kommen sie als Langfristinvestments in Frage.

Zum ersten Mal seit 2016 haben wir wieder nach Dauerläufern am deutschen Aktienmarkt gesucht. Diese sind Unternehmen, die ein nachhaltiges Wachstum dank eines offensichtlich geschützten Geschäftsmodells erreicht haben – bekannt als deutsche „Marathon-AGs“. Erneut haben wir Parameter wie Unternehmensumsatz, den Gewinn (EBIT), Unternehmens- und Buchwert verwendet, um den aktuellen „Trainingsstand“ anhand einer einfachen Punktewertung zu messen.
Zu den erfolgreichsten deutschen Marathon-AGs gehören unter den Werten mit einer großen Marktkapitalisierung Fresenius, Wirecard und Henkel. Im mittelgroßen Segment „gewinnen“ Cancom, Grenke und Fielmann. Bei den kleineren Werten konnten KPS, Helma Eigenbau und Nexus die ersten Plätze belegen.

92 Unternehmen erhalten sehr gute Noten, d.h. ¾ aller erreichbaren Punkte. Diese hohe Anzahl überrascht nicht, schließlich läuft der aktuelle Konjunkturaufschwung schon seit neun Jahren. Wie auch in den Vorjahren sind unter den Topwerten überproportional viele Gesellschaften aus dem Mid- und SmallCap-Bereich enthalten, dem klassischen Rückhalt der deutschen Volkswirtschaft. Viele dieser Titel sind selbst erfahrenden Kapitalanlegern unbekannt, weil sie kleiner sind als die Weltkonzerne im DAX und nur selten in den großen Medien auftauchen. Zu glatt und unspektakulär verlief die Erfolgsgeschichte dieser Unternehmen. Nichtsdestotrotz befinden sich auch einige große Konzerne unter den Marathon-AGs.

 

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