Hohe Bedeutung des US-Marktes für Europa

Eine Ausweitung des Handelskonflikts jenseits der jüngst durch die USA eingeführten Schutzzölle auf Stahl und Aluminium, könnte die wirtschaftliche Entwicklung in Europa spürbar treffen. Der Warenaußenhandel mit den USA nimmt aus europäischer Sicht eine zentrale Bedeutung ein.
Im vergangenen Jahr belief sich der Überschuss im bilateralen Handel der Staaten der EU mit den USA auf rund 120 Mrd. Euro. Dabei wurden Waren im Wert von 375,5 Mrd. Euro in die Vereinigten Staaten geliefert und im Wert von 255,5 Mrd. Euro von dort bezogen. In Relation zum Bruttoinlandsprodukt der Gemeinschaft der 28 EU-Mitgliedsländer entsprach der bilaterale Handelsüberschuss mit den USA zuletzt immerhin 0,8 Prozent. 2008 waren es nur 0,5 Prozent. Rund 20 Prozent der gesamten Ausfuhr aus der EU gingen in die Vereinigten Staaten. Von der gesamten Einfuhr lieferten die USA fast 14 Prozent der Güter nach Europa. Mit ihrem Anteil an den Importen liegen sie damit an der zweiten Position hinter der Volksrepublik China.
Deutschland hat als größte Volkswirtschaft in der Europäischen Union auch den größten Anteil am Handel der EU mit den USA. Dies gilt insbesondere für die Ausfuhren. Immerhin fast ein Drittel der Warenexporte der EU in die Vereinigten Staaten stammten im vergangenen Jahr aus Deutschland. Die exportorientierte deutsche Volkswirtschaft trägt damit überdurchschnittlich stark zur positiven Handelsbilanz der EU mit den Vereinigten Staaten bei. So betrug der Handelsbilanzsaldo zwischen der EU und den USA im Jahr 2017 rund 120 Mrd. Euro. Deutschland alleine sorgte davon für über 50 Mrd. Euro.

Damit war der Außenhandelssaldo mit den Vereinigten Staaten 2017 aus deutscher Sicht so hoch gewesen wie mit keinem anderen Staat. Deutschland exportiert deutlich mehr Güter in die USA, als es US-Produkte einführt. Das ist Präsident Trump ein Dorn im Auge. Da im ersten Quartal dieses Jahres die deutschen Ausfuhren in die USA stärker zurückgegangenen sind als die Einfuhren aus den Vereinigten Staaten, ist der Handelssaldo jedoch um mehr als 5 Prozent geschrumpft. Diese Entwicklung spiegeln auch die vom ifo Institut erfassten Exporterwartungen der deutschen Industrieunternehmen wider. Die Exporterwartungen geben bereits seit Ende des vergangenen Jahres kontinuierlich nach, obwohl die US-Regierung ihre zusätzlichen Zölle auf Aluminium und Stahl aus der Europäischen Union erst Anfang dieses Monats eingeführt hat. Schon die Angst vor einem Handelsstreit hat somit für einen Rückgang der Erwartungen ausgereicht.
Sollten weitere Handelsschranken aufgebaut werden, könnten insbesondere die Hersteller von Autos und Flugzeugen, aber auch der Maschinenbau und die Pharmaindustrie betroffen sein. So sorgen etwa die deutschen Automobilhersteller für mehr als die Hälfte der gesamten EU-Ausfuhren von Kraftfahrzeugen in die USA. Bei Medikamenten und chemischen Erzeugnissen ist der Anteil ebenfalls merklich überdurchschnittlich. Im Fall der deutschen Automobilindustrie gingen im vergangenen Jahr über 12 Prozent der gesamten Branchenausfuhren in die Vereinigten Staaten. Die USA sind damit auch das wichtigste Zielland für deutsche Autoexporte. Die deutsche Autoindustrie wäre dementsprechend stark von einer etwaigen Einführung amerikanischer Zusatzzölle betroffen.

Ein Handelsstreit zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten von Amerika kann nicht ohne negative Auswirkungen auf das Wachstum in Europa und in Deutschland bleiben. Angesichts schwächerer Exporterwartungen dürfte die Investitionsbereitschaft der Unternehmen sinken. Die Wachstumsdynamik, die bereits im ersten Quartal merklich nachgelassen hat, wird sich daher auch im weiteren Jahresverlauf kaum beleben. Damit wird das gute Ergebnis vom Vorjahr, als das Bruttoinlandsprodukt noch um 2,2 Prozent in Deutschland und sogar um 2,4 Prozent im Euro-Raum angestiegen ist, in diesem Jahr merklich verfehlt werden. Wir erwarten für Deutschland ein Wachstum von 1,7 Prozent. Die Wirtschaftsleistung im Euro-Raum dürfte 2018 um 1,9 Prozent zulegen.

 

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