Happy Birthday DAX!

Eine Finanzmarktikone wird 30 Jahre alt. Seit Auflage des deutschen Aktienindex („DAX“) im Jahr 1988 bei 1.000 Punkten ging es kontinuierlich bergauf – exakt gerechnet um 8,8% pro Jahr.

Umso bemerkenswerter ist diese Leistung angesichts der Beobachtung, dass in den vergangenen Jahren viele Schwergewichte des DAX mit erheblichen Problemen zu kämpfen hatten. Diese gingen teils weit über die normalen zyklischen Schwankungen im Geschäftsverlauf hinaus. Dazu gehörte die Krise der beiden börsennotierten Banken, insbesondere der Deutschen Bank, die Neuausrichtung des Geschäftsmodells der beiden Versorger als direkte Folge der Fukushima-Katastrophe 2011, außerdem der Abgasskandal bei Volkswagen. Die darauffolgende unterdurchschnittliche Kursentwicklung dieser ehemaligen „Witwen- und Waisenpapiere“ konnte durch überproportionale Kursgewinne bei den übrigen Indextiteln mehr als ausgeglichen werden, so dass der DAX kontinuierlich angestiegen ist.

Wir werden angesichts der Erfolge deutscher Aktien nicht müde, dafür zu plädieren, dass deutsche Anleger einen Teil ihres freien Vermögens auch in Aktien investieren sollten. Angesichts des anhaltenden Niedrigzinsumfeldes und einem Anstieg der Arbeits- und Lebenserwartung sind Dividendenpapiere für die Altersvorsorge und den Vermögensaufbau unverzichtbar. Anleihen und sonstige festverzinsliche Anlagen sind keine Alternative, auch weil deren Verzinsung schon seit langer Zeit unter der gemessenen Inflation liegt und somit ein schleichender Kaufkraftverlust der Ersparnisse eintritt.

Werden Aktien vieler guter Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen (Stichwort: Diversifikation) zu einem lediglich fairen Preis (es muss nicht immer spottbillig sein) gekauft und lange Zeit gehalten, werden Aktien im Durchschnitt häufig zu hoch rentierenden Anlagen. Dabei gilt es, die Kursschwankungen, die auf kurze Sicht nichts mit der eigentlichen Wertentwicklung des Unternehmens zu tun haben, auszublenden. Solange es Fortschritt und Wettbewerb ohne ernsthafte kriegerische Auseinandersetzungen gibt, wachsen Volkswirtschaften. Je länger der Zeithorizont eines Aktieninvestments ist, desto näher werden die Aktienerträge den Erträgen des zugrundeliegenden „Geschäfts“ kommen. Der Einstiegspreis wird dann zweitrangig. Wichtiger ist, dass der Zinseszinseffekt nicht unterbrochen wird.

Obwohl die letzte volkswirtschaftliche Rezession bereits ein Jahrzehnt zurückliegt, sind am deutschen Aktienmarkt keine Übertreibungen in Form einer breiten Blase oder einer „Milchmädchenhausse“ zu erkennen. Im Gegenteil: Deutsche Anleger scheinen sich unverändert schwer zu tun, Kapital bei einem aktuellen DAX-KGV von 12,2 Punkten (dies entspricht einer Gewinnrendite von knapp acht Prozent) in Aktien umzuschichten. Eine marktbreite Euphorie sieht anders aus. Für Anleger, die dem DAX die Stange halten, sind dies gute Nachrichten.

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Ein Kommentar

Joachim Karg

Sorry für diese Spitzfindigkeit, aber es heißt „Dienstmädchenhausse“, das wurde hier mit der „Milchmädchenrechnung“ vermischt.

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