Der US-Jobmotor dreht sich weiter, Zustrom aus der „stillen Reserve“ verzerrt das Bild

Für den US-Arbeitsmarkt zeigt sich eine sehr erfreuliche Halbjahresbilanz. Dies gilt nicht erst seit dem jüngsten Bericht der Arbeitsmarktbehörde BLS, wird aber durch diesen untermauert. Im Juni ist die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft um 213.000 Personen gestiegen. Unseren Erwartungen entsprechend lieferte der güterproduzierende Bereich mit rund 50.000 Personen erneut einen sichtbaren Beitrag. Der gleichzeitig gemeldete Anstieg der Arbeitslosenquote von 3,8 auf 4,0 Prozent ist nach unserer Einschätzung keinerlei Grund zur Besorgnis und trübt deshalb auch nicht die nahezu strahlende Bilanz der ersten sechs Monate dieses Jahres.

Denn zum einen spricht auch eine Rate von 4,0 Prozent für eine sehr niedrige Arbeitslosenquote, bei der die amerikanische Notenbank ihren Normalisierungskurs getrost weiter fortsetzen kann. Zum anderen hat sich die Zahl der Arbeitslosen wohl vor allem durch einen außergewöhnlich kräftigen Anstieg beim Angebot an Arbeitskräften erhöht. Gegenüber Mai lag der Zuwachs bei rund 600.000 Personen, seit Dezember ist das Arbeitskräfteangebot um stattliche 1,5 Millionen gestiegen. Im gesamten Vorjahr hatte das Plus beim Angebot an Arbeitskräften nur bei einer Million gelegen.

Zuletzt hat also der Zustrom aus der „stillen Reserve“ offensichtlich durch die sehr niedrige Arbeitslosigkeit und den anhaltend soliden Beschäftigungsaufbau, nicht nur im Dienstleistungssektor, neuen Schwung erhalten. Immer noch kehren Personen auf den Arbeitsmarkt zurück, die während der letzten Wirtschaftskrise enttäuscht den Arbeitsmarkt verlassen hatten. Ein Makel ist am jüngsten Arbeitsmarktbericht also kaum zu finden, zumal der Beschäftigungsaufbau für die vorangegangenen Monate auch noch leicht hoch revidiert wurde.

Der immer noch anhaltende Abbau der stillen Reserve ist aber auch dafür verantwortlich, dass trotz der niedrigen Arbeitslosigkeit kein kräftig anziehender Lohndruck auszumachen ist. Im Juni lag der durchschnittliche Stundenlohn nur um 0,2 Prozent über dem Vormonat und die Steigerungsrate gegenüber dem Vorjahresmonat notierte unverändert bei 2,7 Prozent.

Das unverändert prächtige Wirtschaftsklima spricht dafür, dass sich auch in den kommenden Monaten der Beschäftigungsaufbau mit solidem Tempo fortsetzt. Belastungen durch die derzeit aufkeimenden protektionistischen Maßnahmen werden sich wohl noch nicht zeigen. Ganz allmählich dürften die Lohnsteigerungsraten dann anziehen, da der Abbau der stillen Reserve inzwischen recht weit fortgeschritten ist. Bereits jetzt melden einige Branchen ein recht knappes Angebot an Fachkräften.

 

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