Protektionistische Politik kostet Wachstum und Wohlstand

Immer mehr Staaten weltweit verfolgen eine protektionistische Politik. Sollte sich diese Entwicklung durchsetzen, hätte das ein Ende der Globalisierung zur Folge. Das Zeitalter der niedrigen Zinsen würde zu Ende gehen und die Inflation würde sich beschleunigen. Kurzum: Protektionistische Politik kostet Wachstum und Wohlstand.

Weltweit ist derzeit ein Erstarken protektionistischer Kräfte zu beobachten. Populistische Bewegungen gewinnen in vielen Ländern an Einfluss, sie berufen sich häufig auf nationalistische Ideologien und propagieren einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Isolationismus. Der Kampf gegen die Globalisierung ist eine zentrale Gemeinsamkeit der Populisten über die Ländergrenzen hinweg. US-Präsident Donald Trump ist hier sicherlich ein eingängiges Beispiel, doch er steht keinesfalls allein da. Auch in weiten Teilen Europas gewinnen ähnliche Positionen an Boden. Wenn Populisten nicht bereits an der Regierung beteiligt sind, so prägen sie doch vielfach die politische Debatte.

Dabei war es die Globalisierung, die die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung der letzten rund 25 Jahre entscheidend geprägt hat. Die Länder des früheren „Ostblocks“ in Mittel- und Osteuropa haben sich ebenso in den Welthandel integriert wie die asiatischen Staaten. China ist in recht kurzer Zeit zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt herangewachsen. Enormer Wohlstand ist geschaffen worden, hunderte von Millionen von Menschen konnten sich aus großer Armut befreien. Es gab in den Industrieländern aber auch Verlierer der Globalisierung, die lange nicht beachtet wurden. Hier fehlten die politischen Konzepte zur Integration und es entstand letztendlich der Nährboden auf dem die nationalistischen Ideologien und wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Isolationismus gut gedeihen konnten.

Der Beginn der „Globalisierung“ wird heute zumeist auf Anfang der 90er Jahre veranschlagt, im Anschluss an die Öffnung des eisernen Vorhangs und den Beginn der Reformpolitik in China. Die wirtschaftliche Entwicklung und die globalen Wohlstandsgewinne waren seit dem Beginn der Globalisierung außergewöhnlich. Die Folgen einer Protektionismus-Spirale und einer „Jeder-gegen-Jeden“ Politik wären entsprechend negativ.

Der Weltwährungsfond (IWF) hat im Oktober 2016, also wenige Tage vor der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten, ein solches Szenario durchgerechnet. Dabei kommt der IWF zu dem Ergebnis, dass nach fünf Jahren die gesamte Wirtschaftsleistung der Welt um knapp zwei Prozent niedriger wäre als im Basis-Szenario. Hierbei wird unterstellt, dass sich innerhalb von drei Jahren weltweit protektionistische Maßnahmen gemäß dem Muster „wie du mir, so ich dir“ zunehmend aufbauen. Die Handelsrestriktionen bestehen dann bei dieser Modellberechnung zur Hälfte aus Zollbelastungen und zur anderen Hälfte aus nicht tarifären Hemmnissen. In diesem Szenario sind weltweit nach drei Jahren die Einfuhrpreise um 10 Prozent gestiegen.

Die Zolleinnahmen werden in dieser Szenario-Analyse als Transferzahlungen an die Haushalte ausgegeben. Dies ist eine ganz wichtige Annahme, da ansonsten die bremsenden Effekte durch den Preisanstieg bei der weltweiten Nachfrage deutlich größer ausfallen würden. Aber auch unter dieser Annahme wird der Welthandel nach dem Ablauf von fünf Jahren wohl um -15 Prozent gesunken sein. Für Deutschland brächte eine solche Entwicklung einen spürbaren Einschnitt in die wirtschaftliche Aktivität mit sich. Wachstumsraten von unter einem Prozent für eine längere Zeit wären dann nicht ausgeschlossen.

Die Inflation dürfte sich in einem solchen Umfeld zunächst beschleunigen. Erst wenn nach einigen Jahren es zu keinen weiteren Zöllen und anderen begleitenden Maßnahmen mehr kommt, wird sich der Anstieg der Verbraucherpreise wieder spürbar verlangsamen. Protektionistische Politik kostet also Wachstum und Wohlstand, bei einer zunächst höheren Inflation.

Die Globalisierung der Weltwirtschaft in den zurückliegenden Jahrzehnten hat auch am Kapitalmarkt erhebliche Spuren hinterlassen: Sowohl die Leitzinsen als auch die Renditen in den wichtigen Industrieländern liegen historisch gesehen auf sehr niedrigen Niveaus. Mit dem aktuellen Populismus und den daraus resultierenden Handelskonflikten scheint all dies auf dem Prüfstand zu stehen. Dabei hat gerade auch die Einbindung der Schwellenländer in den Welthandel insgesamt zu einer niedrigen Inflation in den Industrieländern geführt. Somit mussten die Zentralbanken nicht mehr latent auf dem Bremspedal stehen, um möglichen Preisgefahren vorzubeugen. Die Leitzinsen wurden nicht mehr in dem Maße angehoben wie zuvor.

Wird die Globalisierung rückgängig gemacht, könnte dies einen dramatischen Einschnitt in die Prosperität der zurückliegenden Jahre darstellen. So dürfte sich mittelfristig die Phase der strukturell niedrigen Renditeniveaus sowie der historisch niedrigen Leitzinsen, die seit Anfang dieses Jahrtausends über lange Zeit am Kapitalmarkt vorherrschten, dem Ende zuneigen. Die Volatilität der makroökonomischen Größen könnte zunehmen, was zu einer allgemeinen Verunsicherung der Marktteilnehmer führen würde.

Die Risikoprämien am Kapitalmarkt könnten dann steigen. Wird eine Schätzung der US-Notenbank über die direkten Effekte zugrunde gelegt, wirkt sich die Sparschwemme auf die US-Renditen mit einem Rückgang von rund 80 bis 100 Basispunkte aus. Dieser Effekt würde also entfallen. Die indirekten Effekte wie ein geringer Preisdruck, historisch niedrige Leitzinsen und ein Rückgang der Risikoprämien könnten die Zehnjahresrenditen nochmals zwischen 50 und 100 Basispunkte reduziert haben.

Damit können die zehnjährigen US-Renditen mithin rund 200 Basispunkte höher liegen als im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Ein Renditeniveau von knapp 5,0 Prozent für die zehnjährigen US-Papiere wäre vor diesen Hintergrund nicht ungewöhnlich. Übertragen auf die Eurozone könnten sich Effekte in einer ähnlichen Größenordnung ergeben. Ausgehend vom aktuellen Niveau würden die Zehnjahresrenditen dann aktuell eher bei 2,50 Prozent liegen. In einem Umfeld einer weniger expansiven Geldpolitik der EZB wären sogar ein längerfristiges Durchschnittsniveau der zehnjährigen Renditen von rund 4,0 Prozent denkbar.

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2 Kommentare

Erich Dilsky

Guten Morgen Herr Bielmeier,

Ihre Schlussfolgerung mit steigenden Zinsen in Europa habe ich nicht ganz verstanden. Könnte es nicht eher das Gegenteil bedeuten, wenn mit einer nachlassenden Konjunktur weiterhin am Niedrigzinsniveau festgehalten wird?

Freundliche Grüße
Erich Dilsky

Stefan Bielmeier

Hallo,
theoretisch haben Sie recht. Mit einer schwächeren Konjunktur sollten auch die Renditen fallen. Jedoch gehe ich davon aus, dass die Risikoprämien steigen und die weltweite Ersparnis sinkt. Beide Faktoren sollten eher zu steigenden Renditen beitragen.

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