Italien: Stimmung nach der Regierungsbildung gemischt

Schon im Vorfeld der tatsächlichen Regierungsbildung hatten die Vorhaben der Lega und der 5-Sterne-Bewegung mit der Rücknahme von Strukturreformen und den kaum finanzierbaren Steuer- und Ausgabenplänen an den Finanzmärkten für eine deutliche Verunsicherung gesorgt. Sichtbar war dies beispielweise an dem schnellen und deutlichen Anstieg der Renditedifferenz zwischen italienischen und deutschen Staatsanleihen. Das Signal war eindeutig: Deutliche Skepsis gegenüber der neuen Regierung.

Nach der Regierungsbildung liegen nun auch erste umfragebasierte Konjunkturindikatoren für Italien vor. Sowohl das Wirtschaftsvertrauen als auch die Einkaufsmanagerindizes konnten sich dabei verbessern. In den Unterkomponenten des Wirtschaftsvertrauens zeigt sich, dass die privaten Haushalte optimistischer sind bezüglich der zukünftigen finanziellen und wirtschaftlichen Situation. Auch der Einzelhandel und Teile des Dienstleistungsbereichs erwarten zukünftig bessere Geschäftsmöglichkeiten. Die Aussetzung der eigentlich fest eingeplanten Mehrwertsteuererhöhung im kommenden Jahr könnte sich hier positiv auf die Erwartungen ausgewirkt haben.

Trotz Stimmungsverbesserungen bei den Einkaufsmanagern insgesamt gaben die Geschäftserwartungen sowohl in der Industrie als auch bei den Dienstleistungsunternehmen nach. Mehr noch, in Teilen sorgt man sich wohl um die politische Stabilität des Landes. Eine Aufbruchstimmung sieht anders aus. Insgesamt passt die Indikatorenlage zu unserem schwachen Prognosebild für Italien. Mit einem Wachstum von 1,1 Prozent in diesem Jahr bleibt Italien Schlusslicht im Euro-Raum. Im nächsten Jahr könnte es mit 1,3 Prozent sogar etwas mehr werden, wenn Teile der expansiven Ausgabenpläne allerdings zulasten der sehr hohen Staatsverschuldung tatsächlich umgesetzt werden.

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