Bärenmarkt in China: Vor allem wegen Trump

Große Sorgen belasten den chinesischen Aktienmarkt: Seit dem Hoch im Januar hat der Shanghai Composite Index über 20% korrigiert. Investoren haben Aktien verkauft, weil Sorgen aufkamen, chinesische Unternehmen würden zukünftig verstärkt unter den Handelsauseinandersetzungen mit den USA leiden. Tatsächlich zielt US-Präsident Trump im Kern seiner protektionistischen Politik auf Importe aus China. Trotz der rückläufigen Kurse seit Jahresbeginn ist der chinesische Aktienmarkt mit einer Marktkapitalisierung der Unternehmen von 6,5 Billionen US-Dollar (vergleiche Deutschland mit 2,3 Bio. US-Dollar) immer noch der zweitgrößte Markt der Welt, wenngleich zum US-Aktienmarkt (31,1 Bio. US-Dollar) ein gewaltiger Rückstand besteht.
Weil Anfang November in den USA die Kongresswahlen stattfinden, gehen wir davon aus, dass Präsident Trump seine scharfe Rhetorik zum Handel mit China und der EU bis zu den Wahlen beibehalten wird. Für die chinesischen Aktienindizes bedeutet dies nichts Gutes, die Marktstimmung sollte gedrückt bleiben.
Störungen im Welthandel würden den Unternehmen in China zusetzen. Jedoch sollte die schlechte Investorenstimmung an den Märkten klar von den fundamentalen Wirkungskanälen der jüngsten Maßnahmen unterschieden werden. Wenngleich wir in unserer volkswirtschaftlichen Prognose skeptisch für die Konjunkturentwicklung Chinas im zweiten Halbjahr eingestellt sind (das Gesamtvolumen der geplanten US-Strafzölle entspricht zwei Prozent der chinesischen Wirtschaftsleistung), sollten die Auswirkungen des Handelsstreits auf die börsengelisteten Unternehmen gering ausfallen. So ist die Abhängigkeit vom US-Geschäft bei den Unternehmen im Börsenindex CSI 300 („China Securities 300“), welcher die Kursentwicklung der 300 größten an den beiden Festlandbörsen in Shanghai und Shenzhen gehandelten Dividendenpapiere abbildet, sehr gering. Die Analyse der zehn größten Titel, die zusammen 25% der Indexkapitalisierung darstellen, zeigt, dass diese weniger als fünf Prozent der Unternehmensumsätze in den USA erzielen. Die deutliche Verlagerung Chinas Wirtschaft hin zum Inland und die verstärkte Diversifikation der Handelspartner sorgen dafür, dass die Unternehmen heute weniger anfällig gegenüber Störungen im direkten Handel mit den USA sind als noch vor einigen Jahren.
Anders sieht es jedoch in den Sektoren aus, die wesentlich zum großen Handelsbilanzüberschuss Chinas mit den USA beitragen. Dazu gehören Unternehmen aus den Branchen Unterhaltungselektronik, Industrie, Automobilteile und Textilien. Deren fundamentalen Ausblicke haben sich deutlich verschlechtert, die Kurse dürften dort mehrheitlich zu Recht gefallen sein.
Die Bewertungsrelationen des chinesischen Marktes haben sich verbessert, die Entwicklung der Unternehmensgewinne sollte unverändert stabil verlaufen. Aktuell liegt die KGV-Bewertung bei 11,7 Punkten, dass Gewinnwachstum 2018 bei knapp 13%. Jedoch dürfte das Sentiment noch auf längere Zeit chinesische Aktien belasten, insbesondere der Handelsstreit mit den USA könnte sich in den kommenden Monaten intensivieren. Die anhaltende Verunsicherung dürfte eine nachhaltige Erholung des Aktienmarktes verhindern, weshalb wir den chinesischen Aktienmarkt derzeit noch nicht attraktiv genug für einen Einstieg halten.

 

 

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