Fed-Chef bestätigt aktuellen geldpolitischen Kurs

Die gestrige Anhörung des Fed-Vorsitzenden Jerome Powell im Rahmen des halbjährlichen Berichts zur Geldpolitik vor dem Bankenausschuss des Senats war mit Spannung erwartet worden. In seiner Eröffnungsrede hat sich Powell bezüglich der konjunkturellen Entwicklung optimistisch gezeigt. Das solide Wachstumstempo im bisherigen Jahresverlauf basiere seiner Meinung nach auf mehreren Faktoren: Robuste Jobzuwächse, steigende Einkommen nach Steuern und Optimismus bei den Haushalten. Mit einem starken Arbeitsmarkt, einer Inflation nahe des Zwei-Prozent-Ziels sowie mit ausgeglichenen Risiken für den Wachstumsausblick sei der FOMC-Rat der Ansicht, dass weitere Leitzinserhöhungen der beste geldpolitische Weg seien – zumindest momentan. Dieser Einschub von Powell („for now“) kann dahingehend interpretiert werden, dass das geldpolitische Vorgehen nicht auf Autopilot steht. Leitzinserhöhungen werden demnach nicht zwangsläufig vorgenommen, sondern unter Berücksichtigung der aktuellen Rahmenbedingungen.

Interessanter als die vorbereitete Eröffnungsrede waren die Fragen der Senatoren sowie die Antworten von Powell. Etliche Fragen kamen zu den möglichen Auswirkungen des Handelskonflikts. Diesbezüglich hat der Vorsitzende der US-Notenbank ein klares Bekenntnis für einen freien Warenhandel gegeben. Länder, die keine Zölle oder tarifären Handelshemmnisse errichtet haben, seien in der Vergangenheit schneller gewachsen, so Powell. Diese Länder haben ein höheres volkswirtschaftliches Einkommen und eine höhere Produktivität erzielt, sagte er. Länder, die hingegen einen protektionistischen Weg wählten, haben in der Regel schlechter abgeschnitten. Auf die Frage, inwieweit die derzeit gute Performance der US-Wirtschaft den Steuererleichterungen Donalds Trumps geschuldet sei, wollte er nicht explizit antworten. So sagte er lediglich, dass sich die zahlreichen positiven Effekte nicht klar trennen lassen. Auf die Frage, ob er die Europäische Union als Wirtschaftsfeind betrachte, kam ein schnelles und klares „Nein“. Fragen nach der Verflachung der Zinskurve wich er jedoch aus. Laut Powell sei dies zwar ein Thema im FOMC-Rat, doch eine mögliche Inversion der Renditestrukturkurve deute nicht zwangsläufig eine Rezession an. Wichtig sei vielmehr, wo der neutrale Zinssatz liege. Nicht zuletzt war ein großes Thema die Regulierung. In diesem Zusammenhang hat Powell mehrfach zu Protokoll gegeben, dass die Fed nicht beabsichtige, die Regulierung für große Finanzinstitute zurückzudrehen.

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Ein Kommentar

Klaus Martin

Sehr informativer Beitrag, Einschätzungen von außerhalb der üblichen Informationsquellen.

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